Nationale und Internationale Hilfe für Folteropfer

Factbox

  • Keine Sammelstatistiken zu Folteropfern in Österreich
  • Rund 16.000 Therapiestunden für Betroffene im Jahr 2012
  • Große Vielfalt an Herkunftsländern
  • Hilfsorganisationen national und international gut vernetzt
  • Verein Hemayat und Verein Zebra leisteten Pionierarbeit

Am 26. Juni ist der Internationale Tag der Hilfe für Folteropfer. Aus diesem Anlass hat sich die Medien-Servicestelle neue Österreicher/innen (MSNÖ) die nationale und internationale Vernetzung der Hilfsorganisationen genauer angeschaut. Sammelstatistiken zu in Österreich lebenden Folteropfern gibt es bisher nicht.

Zahlen zu Betroffenen kann man von den jeweiligen, hierzulande in diesem Bereich tätigen Einrichtungen beziehen – etwa vom Verein Hemayat (Betreuungszentrum für Folter- und Kriegsüberlebende) und vom Verein ZEBRA (Interkulturelles Beratungs- und Therapiezentrum).

Rund 16.000 Therapiestunden für Folter- und Kriegsüberlebende 

Rund 16.000 Therapiestunden für Folter- und Kriegsüberlebende wurden im Jahr 2012 in insgesamt acht Psychotherapiezentren, die Teil des Netzwerks für interkulturelle Psychotherapie nach Extremtraumatisierung (NIPE) sind, laut NIPE-Koordinatorin und Mitarbeiterin bei der Asylkoordination, Marion Kremla, angeboten. (Für detaillierte Informationen zu traumatisierten Flüchtlingen und weiteren österreichischen Einrichtungen siehe MSNÖ-Artikel „Flüchtlinge und ihre psychische Befindlichkeit“).

Praktische Hilfe für Folteropfer: Österreichische Einrichtungen

Die Vereine ZEBRA in Graz und Hemayat in Wien – beide Mitgliedsorganisationen von NIPE – haben in Österreich Pionierarbeit auf dem Gebiet der psychotherapeutischen Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen geleistet. Zebra hat seine Arbeit bereits 1987 aufgenommen, Hemayat öffnete 1994 seine Pforten.

692 Betroffene von Hemayat, 44 von ZEBRA betreut

Im Jahr 2012 wurden von Hemayat insgesamt 692 und von ZEBRA insgesamt 44 Folter- und/oder Kriegsüberlebende betreut. Von den 692 Personen sind 358 männlich und 334 weiblich, von den 44 Betroffenen sind 29 Personen männlich und 15 Personen weiblich.

Zahlreiche Herkunftsländer

Unter den KlientInnen von Hemayat befinden sich 320 TschetschenInnen, 109 AfghanInnen, 61 IranerInnen und 21 TürkInnen. Folgende Herkunftsländer sind laut dem Verein ebenfalls vertreten: Ägypten (3), Albanien (1), Algerien (4), Angola (1), Armenien (13), Aserbaidschan (3), Äthiopien (1), Bangladesch (3), Bosnien-Herzegowina (14), Burundi (1), Elfenbeinküste (1), Eritrea (2), Gambia (3), Georgien (20), Guinea (2), Guinea Bissau (1), Indien (2), Irak (18), Kamerun (3), Kasachstan (2), DR Kongo (1), Kosovo (6), Libanon (3), Marokko (1), Moldawien (1), Mongolei (1), Nigeria (7), Pakistan (3), Palästina (3), Ruanda (1), Russische Föderation (17 – ohne TschetschenInnen), Serbien (5), Sierra Leone (1), Somalia (17), Sudan (3), Syrien (7), Tadschikistan (1), Tibet (1), Tunesien (1), Ukraine (1) und China (1).

Von den 44 KlientInnen von ZEBRA stammen 26 aus der Russischen Föderation, 5 aus Albanien, 4 aus Afghanistan, 3 aus Bosnien-Herzegowina, 2 aus Azerbaijan, 1 aus Kirgistan, 1 aus Georgien (Abchasien), 1 aus Armenien und 1 aus dem Iran.

 

Hemayat – Beispiel für nationale und internationale Vernetzung

Hemayat sieht sich laut Leitungsmitglied Brigitte Heinrich als eine hochspezialisierte Organisation, die sich im Rahmen von verschiedenen nationalen und internationalen Netzwerken für eine aktive Menschenrechts- und eine menschliche Flüchtlingspolitik einsetzt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Folgen extremer Belastung in den Bereichen Medizin, Psychologie und Psychotherapie stellen laut Heinrich die Grundlage dazu dar. Hemayat ist durch seine MitarbeiterInnen in zahlreiche Netzwerke eingebunden: Dazu gehören u.a. Amnesty International (ai), der European Council for Refugees and Exiles (ECRE), die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie, der International Council for Torture Victims (IRCT) und die Working Group of Forced Migration der European Association for Psychotherapie (EAP).

Hemayat ist auch Teil eines EU-weiten Netzwerks von Institutionen zur Betreuung von Folter- und Kriegsüberlebenden und an NIPE beteiligt.

Der International Rehabilitation Council for Victims of Torture ist laut Kremla eine wichtige internationale Netzwerkorganisation auf dem Spezialgebiet der Therapie von Folteropfern.

Weiterführende Informationen und Kontakte:

Verein Hemayat, Tel.: 0043(0)1/2164316; Mail: office@hemayat.org

Verein ZEBRA, Tel.: 0043(0)316/835630 – 0; Mail: office@zebra.or.at

Amnesty International, Amnesty International Österreich, Tel.: 0043(0)1/78008; Mail: info@amnesty.at

NIPE, Tel.: 0043(0)1/5321291 13; Mail: kremly@asyl.at

ECRE, Tel.: 0032(0)2/234 3800; Mail: ecre@ecre.org

IRCT, Tel.: 0045/3376/0600; Mail: irct@irct.org

EAP, Tel.: 0043(0)1/5131729; Mail: eap.headoffice@europsyche.org

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