Bis zu 20.000 Menschen mit iranischen Wurzeln

 Factbox

  • 17.000 bis 20.000 Personen mit iranischem Migrationshintergrund
  • Bei der Präsidentschaftswahl Stimmabgabe in Österreich möglich
  • Mehr als ein Dutzend iranische Vereine
  • Knapp Dreiviertel der Asylanträge im Jahr 2012 positiv entschieden
  • Knapp 1.500 IranerInnen studieren in Österreich
  • Beziehungen Iran-Österreich seit über 150 Jahren

 

In Österreich leben 17.000 bis 20.000 Personen mit iranischem Migrationshintergrund. Dies ergaben Recherchen der Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ). Laut Statistik Austria leben 13.080 Personen iranischer Herkunft in Österreich (Stichtag: 1. Jänner 2012), 8.655 davon leben in Wien. 5.797 Personen in Österreich besitzen die iranische Staatsbürgerschaft. Bei der Präsidentschaftswahl in ihrer Heimat am 14. Juni können sie in Österreich von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen.

Bundesland Wien Stmk. Slbg. Tirol Ktn. Bgld. Vlbg.
Iran 8.655 1.103 1.050 988 486 336 216 155 91

Bevölkerung am 1.1.2012 nach ausländischer Staatsangehörigkeit bzw. Geburtsland und Bundesländern; Quelle: Statistik Austria

Iran wählt neuen Präsidenten – Stimmabgabe in Österreich möglich

Am 14. Juni findet im Iran die Präsidentschaftswahl statt. Iranische Staatsangehörige haben in Österreich die Möglichkeit, ihre Stimme bei der iranischen Botschaft abzugeben. Schon bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2009 war eine Stimmabgabe in Wien möglich. Iranischen Medien zufolge hatten damals 1.933 Wähler in Wien und 248 Personen in Graz ihre Stimme abgegeben. Bei den Parlamentswahlen im Jahr 2012 war keine Stimmabgabe im Ausland möglich.

Community durch Vielfalt gekennzeichnet

Die iranische Community in Österreich ist – wie auch weltweit – ethnisch, religiös und politisch durch ihre Vielfalt gekennzeichnet. Laut Savis Homayouni von der „Plattform der zweiten Generation Iran-Österreich“ ist die Vielfältigkeit besonders bei kulturellen Veranstaltungen verschiedener ethnischer Minderheiten zu bemerken. Darüber hinaus würden sich manche ethnische Gruppen in eigenen Vereinen organisieren. Zu den in Österreich lebenden ethnischen und religiösen Gruppen aus dem Iran gibt es keine Zahlen.

Die Vielfalt hat mit der Geschichte des Landes als Vielvölkerstaat zu tun. Neben den PerserInnen, die mehr als 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen, prägen Azeris, Kurden, Loren, Turkmenen, Belutschen und Araber die Bevölkerungsstruktur (siehe MSNÖ-Artikel zu KurdInnen in Österreich). Neben Schiiten finden sich unter den Auslands-IranerInnen Baha´i, Zarathustrier, armenische Christen, iranische Juden und Atheisten. Die Bezeichnung “Iraner” ist im Persischen der verwendete Ausdruck für die Benennung aller Gruppen und Minderheiten des Landes.

Laut dem „Migration Policy Institute“ leben heute rund vier Millionen IranerInnen im Ausland. Die iranische Auslandsgemeinde hat ihre größten Communitys in Los Angeles, Toronto, London, Paris und Hamburg sowie in Australien, Malaysien und Japan.

Vereine: Ärzte, Ingenieure, Kultur, Menschen- und Frauenrechte

In Österreich gibt es mehr als ein Dutzend Vereine, die sich thematisch in unterschiedlichen Formen dem Iran widmen. Zu den bekanntesten Vereinen zählt die “Österreichisch-Iranische-Ärztegesellschaft” oder der “Verein Iranischer Ingenieure”. Diese Vereine organisieren Fachtagungen, Networking-Programme und bieten Mitgliedern Unterstützung an. Zudem gibt es Vereine, die sich auf Menschen- und Frauenrechte oder Kunst- und Kulturveranstaltungen konzentrieren. In den vergangenen Jahren formierten sich außerdem verschiedene politische Vereine.

Beliebtes Studienziel Österreich

Österreich gilt bei iranischen Studierenden als beliebtes Studienziel. Gemäß Zahlen des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung bildeten sich im Wintersemester 2012 mindestens 1.470 Studierende aus dem Iran an österreichischen Hochschuleinrichtungen weiter. Davon war die große Mehrheit (1.417 Studierende) an öffentlichen Universitäten eingeschrieben, wobei das Geschlechterverhältnis sehr ausgeglichen war (709 Frauen, 708 Männer), an den Fachhochschulen studierten 53. Für Eingeschriebene an Privatuniversitäten sind Zahlen aus dem Jahr 2011 erhältlich, die sich auf insgesamt 25 Personen beliefen.

Hohe Zahl an positiven Asylbescheiden

Im Jahr 2012 wurden laut Innenministerium 761 Asylanträge von iranischen Staatsangehörigen gestellt. Davon wurden 442 positiv und 104 negativ entschieden. Demnach fielen 74 Prozent der Asylanträge aus dem Iran positiv aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der positiven Bescheide gestiegen: 2011 gab es 67 Prozent positive Erledigungen.

Gleichzeitig sind – parallel zum allgemeinen Trend – Einbürgerungen zurückgegangen: Im Jahr 2002 wurden laut Statistik Austria 332 iranisch-stämmige Menschen eingebürgert, zehn Jahre später waren es 168 Personen.

 

Über 150 Jahre österreichisch-iranische Partnerschaft

Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Iran heute ein wichtiger Handelspartner Österreichs. Im Jahr 1851 begannen sich die Beziehungen zwischen den beiden Staaten durch den im heutigen Tschechien geborenen Österreicher Jakob Eduard Polak (1818-1891) zu verstärken. Der Mediziner ging auf Einladung Teherans in den Iran, um Ärzte für das iranische Militär auszubilden. Einige Jahre später avanciert er zum leibeigenen Arzt des Qajaren-Königs „Naser al-Din Shah“.

Später wurden österreichisch-iranische Institutionen gegründet – wie das Österreichische Kulturforum in Teheran (ÖKFT) oder das Institut für Iranistik der österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Die ÖKFT-Bibliothek ist mit über 5.000 Werken die größte deutschsprachige Bibliothek im Iran. Der „österreichisch-iranische Dialog“ ist eine weitere Plattform des Austausches und besteht seit gut 15 Jahren. Im Bereich Kultur bieten etwa das Austro-Iranian-Symphony-Orchestra (AISO) und das Austro-Iranian-Choir (AIC) eine bilaterale Bühne für den Kulturaustausch.

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