MiMi-LotsInnen für ein gesundes Leben

Factbox

  • Wiener Initiative zu Gesundheitssystem für MigrantInnen seit 2012
  • Schwerpunkt: interkulturelle Gesundheitsförderung und Prävention
  • 24 GesundheitslotsInnen tragen Informationen in ihre Communitys
  • Zielgruppe vorerst muttersprachlich BKS, Türkisch, Englisch und Russisch
  • Idee zu MiMi-Gesundheitsprojekt vom deutschen Ethno-medizinischen Zentrum

 

Das Gesundheitsprojekt „MiMi – Von Migranten für Migranten“, das von der Volkshilfe Wien umgesetzt wird, liefert Informationen zum österreichischen Gesundheitswesen und zur Gesundheitsvorsorge für MigrantInnen. 24 GesundheitslotsInnen wurden bisher im Rahmen des Projekts in Wien ausgebildet. Die LotsInnen stammen aus insgesamt 13 verschiedenen Ländern aus Europa, Afrika und Asien.

 

Diese 24 GesundheitslotsInnen sind derzeit als MultiplikatorInnen tätig und halten für Gruppen mit bis zu zehn Personen aus ihrer Community Informationsveranstaltungen zum österreichischen Gesundheitssystem gegen eine Aufwandsentschädigung von bis zu 120 Euro ab. Schwerpunktthema ist laut MiMi-Leiterin Petra Dachs derzeit „Ernährung“. Die Anzahl an  GesundheitslotsInnen werde fortlaufend ansteigen: Sobald weitere Fördermittel zur Verfügung stehen, sind weitere MiMi-Schulungen geplant.

 

Ziele und Zielgruppe von MiMi

Neben der Verbreitung von Informationen zur mehrsprachigen, kultursensiblen Gesundheitsförderung und zur gesundheitlichen Prävention für MigrantInnen steht die Stärkung der MigrantInnen im Vordergrund, um mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen zu können.

 

Zielgruppe des Wiener MiMi-Gesundheitsprojekts stellen zurzeit vorwiegend MigrantInnen mit Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Türkisch, Englisch und Russisch als Muttersprache. Der Gesundheitswegweiser für Österreich steht kurz vor der Fertigstellung und wird in den Sprachen der Zielgruppe erhältlich sein.

 

Schwerpunktthemen bei GesundheitslotsInnen-Schulung

Laut MiMi-Gesundheitslotsin Danijela Krsmanovic, derzeit tätig als Hauskrankenpflegerin und gelernte Hebamme, standen folgende sechs Themen im Mittelpunkt der Schulung: das österreichische Gesundheitssystem, Alter – Pflege – Gesundheit, Gesundheit und Migration, Psychische Gesundheit, Ernährung und Bewegung sowie Migration und Gender.

 

Zahlreiche Kooperationspartner von MiMi in Wien

Die Volkshilfe Wien führt das MiMi-Projekt in Kooperation mit dem Ethno-Medizinischen Zentrum e.V. (Hannover) und mindestens 28 Partnerorganisationen in Wien durch. Darunter finden sich „abz*austria – komepetent für frauen und wirtschaft“, die Ärztekammer Wien, „Fair & Sensibel – Polizei und AfrikanerInnen“, der „Fonds gesundes Österreich“, das „Interkulturelle Zentrum“ und „TERRA – Beratungszentrum für ältere MigrantInnen“.

 

Entstehung der Idee „GesundheitslotsInnen“

Ramazan Salman, dessen Vater 1966 als Gastarbeiter aus der Türkei nach Hannover in Deutschland gekommen war, entwickelte während seines sozialwissenschaftlichen Studiums die Idee der GesundheitslotsInnen. Kern des Konzepts für Deutschland war, dass zweisprachige MigrantInnen mit guten Deutschkenntnissen andere MigrantInnen bei ihren Wegen zum Arzt beispielsweise begleiten und für diese übersetzen.

 

1991 – Gründung des Ethno-medizinischen Zentrums

1991 wurde das Ethno-medizinische Zentrum e. V. in Hannover von Salman gemeinsam mit WissenschafterInnen und ÄrztInnen gegründet. Seither wurden in Deutschland bereits rund 1.800 GesundheitslotsInnen in mindestens 15 Sprachen im Rahmen von MiMi geschult. Zudem werden Vorträge vom Ethno-medizinischen Zentrum in Krankenhäusern zum Thema abgehalten und ein Gesundheitswegweiser mit detaillierten Informationen zu Arzt- oder Krankenhausbesuchen in insgesamt 16 Sprachen herausgegeben.

 

Das MiMi-Konzept findet großen Anklang in Europa und soll auf lange Sicht in zahlreichen europäischen Ländern umgesetzt werden. Bisher gab es bereits in London, Kopenhagen, Brüssel und einigen anderen Städten Projekte mit dem Themenschwerpunkt HIV/Aids, die exakt nach dem Schema von MiMi aufgebaut waren.

 

Umgang mit Tabuthemen für GesundheitslotsInnen leichter

Die GesundheitslotsInnen haben laut Salman durch ihren Migrationshintergrund oftmals ein besseres Verständnis für und einen einfacheren Umgang mit Tabuthemen im Gesundheitsbereich wie beispielsweise Aids-Prävention, die für ÄrztInnen ohne interkulturelle Kompetenz und für migrantische PatientInnen bei der Behandlung zu Kommunikationsschwierigkeiten, Missverständnissen und Fehldiagnosen führen können.

 

Wirkungskette von MiMi in Deutschland

Seit 1991 flossen laut Salman rund 850.000 Euro in das Projekt MiMi mit insgesamt 19 MitarbeiterInnen. Bisher wurden rund 1.800 GesundheitslotsInnen bzw. MultiplikatorInnen aus 136 verschiedenen Herkunftsländern ausgebildet und diese Zahlen steigen laufend, da fortwährend Schulungen für weitere GesundheitslotsInnen durchgeführt werden. In bisher über 5.000 Veranstaltungen wurden rund 60.000 TeilnehmerInnen direkt und rund 450.000 Personen indirekt durch die Weitergabe von Informationen erreicht.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Siehe auch MSNÖ-Artikel: MigrantInnen und Missverständnisse bei ArztbesuchenOhne Papiere beim Arzt/bei der ÄrztinSchlechtere gesundheitliche Situation von MigrantInnenInterkulturelle Psychotherapie – 42 Sprachen im AngebotFlüchtlinge, interkulturelle Psychotherapie und Fehldiagnosen-Gefahr

  

Volkshilfe Wien „MiMi – Das Gesundheitsprojekt: Mit Migranten für Migranten“; Projektleitung: Petra Dachs; petra.dachs@volkshilfe-wien.at; Armin J. Hanschitz; armin.hanschitz@volkshilfe-wien.at; Tel.: 01/3344739

 

Ramazan Salman, Geschäftsführer des Ethno-medizinischen Zentrums e. V. (Hannover); Mail: ethno@salman.info

 

Danijela Krsmanovic, MiMi-Gesundheitslotsin, Studierende der Plegewissenschaften, Hauskrankenpfelgerin und Hebamme; Tel.: 0650 7325518

 

 

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