Weltreligionen in Österreich – Daten und Zahlen

Weltreligionen in Österreich – Daten und Zahlen

Jan 18, 2013

 Factbox

  • 22 anerkannte Religions-, elf eingetragene Bekenntnisgemeinschaften
  • Hinduismus als einzige Weltreligion nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt
  • 5,36 Mio Personen in Österreich sind katholisch
  • Österreich erkannte europaweit Buddhismus als erstes an

 

Außer dem Hinduismus sind in Österreich alle Weltreligionen (Islam, Christentum, Buddhismus, Judentum) als Religionsgemeinschaften anerkannt. Die jüngsten Anerkennungen erfuhren der Islam im Jahr 1912 und der Buddhismus im Jahr 1983, was in Europa ein Novum war. Die überwältigende Mehrheit der ÖsterreicherInnen bekennt sich zum Katholizismus, danach folgen mit einem Abstand von fast fünf Millionen Personen jene, die sich zum Islam und zur Orthodoxen Kirche bekennen.

 

Am 20. Jänner 2013 findet weltweit der Tag der Religionen statt. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) liefert zu diesem Anlass einen kurzen Überblick über anerkannte Religionsgemeinschaften und eingetragene Bekenntnisgemeinschaften in Österreich. Insgesamt gibt es 22 anerkannte Religions- und elf eingetragene Bekenntnisgemeinschaften.

 

5,36 Millionen ÖsterreicherInnen sind katholisch

Die letzten Zahlen zum Religionsbekenntnis der österreichischen Bevölkerung konnten bei der Volkszählung im Jahr 2001 erhoben werden. Zu diesem Zeitpunkt zählten sich noch fast drei Viertel der ÖsterreicherInnen zur traditionellen römisch-katholischen Kirche. 4,7 Prozent bekannten sich zu den beiden evangelischen Kirchen A.B. und H.B. Zur islamischen Glaubensgemeinschaft rechneten sich damals 4,2 Prozent, zur jüdischen 0,1 Prozent. 2,2 Prozent sehen die kanonischen orthodoxen Kirchen als ihre Religion, meinst Immigranten aus dem ehemaligen Jugoslawien, während sich zu anderen christlichen Kirchen 0,9 Prozent und zu den anderen nichtchristlichen Kirchen 0,2 Prozent zählen. 12,0 Prozent der Bevölkerung bezeichneten sich als Atheisten und 2,0 Prozent machten keine Angaben bezüglich ihrer Religion.

 

Aktuelle Zahlen beruhen zumeist auf Schätzungen. Die MSNÖ hat nachgefragt: Die meisten Personen sind katholisch (5,36 Mio), gefolgt von den MuslimInnen (500.000 bis 600.000), den Orthodoxen (500.000) sowie den Angehörigen der Evangelischen Kirchen (302.000). Eine genaue Auflistung findet sich in der Tabelle 1. Die neuesten Anerkennungen bei den eingetragenen Bekenntnisgemeinschaften betrafen die Aleviten (2010) und den Hinduismus (1998). Bei den anerkannten Religionsgemeinschaften sind die Zeugen Jehovas das jüngste Mitglied. Die Religionen der Sikh und der Ravidassia scheinen in keiner der beiden Kategorien auf (Infos über Sikh und Ravidassia in Österreich siehe: Bis zu 10.000 Sikhs feiern Vaisakhi).

 

In Österreich wird zwischen anerkannten Religionsgemeinschaften und eingetragenen Bekenntnisgemeinschaften unterschieden. Erstere haben mehr Rechte betreffend der öffentlichen Religionsausübung, finanzieller und arbeitsrechtlicher Natur, auf Errichtung konfessioneller Privatschulen und die Einrichtung des Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen. Außerdem genießen sie höheren strafrechtlichen Schutz; die Herabwürdigung ihrer Lehren oder die Störung ihrer Religionsausübung oder die Beschädigung ihrer im Gottesdienst gewidmeten Räumlichkeiten ist strafbar. 

 

Anerkannte Religionsgemeinschaften

 

Eingetragene Bekenntnisgemeinschaften

 

 

–        Katholische Kirche (5.36 Mio):

  • Römisch-Katholische Kirche
  • Griechisch-Katholische Kirche
  • Armenisch-Katholische Kirche 

–        Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (500.000 bis 600.000) (anerkannt seit 1912)

–        Orthodoxe Kirchen (500.000)

  • Armenisch-apostolische Kirche in Österreich
  • Koptisch-orthodoxe Kirche in Österreich  (anerkannt seit 2003)
  • Syrisch-orthodoxe Kirche in Österreich
  • Griechisch-orientalische Kirchengemeinde zur Hl. Dreifaltigkeit (Kirche von Griechenland)
  • Griechisch-orientalische Kirchengemeinde zum Hl. Georg (Kirche von Griechenland)
  • Serbisch-griechisch-orientalische Kirchengemeinde zum Hl. Sava
  • Rumänisch-griechisch-orientalische Kirchengemeinde zur Hl. Auferstehung
  • Russisch-orthodoxe Kirchengemeinde zum Hl. Nikolaus
  • Bulgarisch-orthodoxe Kirchengemeinde zum Hl. Iwan Rilski 

–        Evangelische Kirche in Österreich (320.000)

  • Evangelische Kirche Augsburger Bekenntnisses (Lutheraner)
  • Evangelische Kirche Helvetischen Bekenntnisses (Reformierte)

–        Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft (20.000 bis 25.000) (anerkannt seit 1983)

–        Zeugen Jehovas (20.795) (anerkannt seit 2009)

–        Israelitische Kultusgemeinde (12.000 bis 15.000) (anerkannt seit 1890)

–        Altkatholische Kirche (anerkannt seit 1874)

–        Evangelisch-methodistische Kirche (anerkannt seit 1951)

–        Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) Anmerkung: Diese Religionsgemeinschaft wurde 1955 als Reaktion auf die Marshallplanhilfe durch den Staat Utah anerkannt.

–        Neuapostolische Kirche (anerkannt seit 1975)

 

 

–        Aleviten – Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IAGÖ, seit 2010) (60.000)

 –        Hinduistische Religionsgesellschaft in Österreich (HRÖ, seit 1998) (10.000 bis 12.000)

–        Bahai-Religionsgemeinschaft

–        Bund der Baptistengemeinden in Österreich

–        Bund Evangelikaler Gemeinden Österreichs

–        Die Christengemeinschaft – Bewegung für religiöse Erneuerung in Österreich

–        Elaia Christengemeinde

–        Freie Christengemeinde/Pfingstgemeinde

–        Mennonitische Freikirche Österreich (MFÖ)

–        Pfingstkirche Gemeinde Gottes in Österreich

–        Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten

Tabelle 1: Religions- und Bekenntnisgemeinschaften in Österreich, MSNÖ, eigene Darstellung

 

Der höchste Anteil in der Bevölkerung: das Christentum

Nach Berechnungen der MSNÖ zählen sich insgesamt mehr als 6,18 Millionen Menschen zum Christentum. Laut der Kirchenstatistik 2011 hat die katholische Kirche 3.047 Pfarren sowie 1.279 weiteren Seelsorgestellen in Österreich. Die beiden evangelischen Kirchen A.B und H.B. kommen auf etwa 204 Pfarrgemeinden. SerbInnen stellen den höchsten migrantischen Anteil der ChristInnen in Österreich. 

 

Als sich das Christentum ausbreitete, gehörte Österreich zum Römischen Reich. Erstmals wurde im Jahr 174 die Existenz des Christentums nachgewiesen, jedoch als im 16. Jahrhundert die Reformation ihren Einzug hielt, wurde Österreich weitgehend protestantisch. Im Zuge der Gegenreformation entstanden neue Orden wie die Jesuiten, Kapuziner, Barnabiten und Severiten. Die 1860er und 18790er Jahre waren vom Kampf des Liberalismus gegen den Einfluss der Kirche geprägt, was auch die allmähliche Auflösung des Bündnisses zwischen Thron und Altar zur Folge hatte. Mit rund 2,26 Milliarden Anhängern ist das Christentum die weltweit am meisten verbreitete Religion. (Artikel der MSNÖ zu dem Thema: Rund 500.000 orthodoxe ChristInnen in Österreich)  

 

Größter Zuwachs in Österreich: der Islam

Seit dem Jahr 1912 ist der Islam im Österreich eine gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft. MuslimInnen waren schon frühzeitig und über Jahrhunderte immer wieder im österreichischen Raum präsent. Mit der Okkupation Bosnien-Herzegowinas 1878 gehörte erstmals eine große muslimische Bevölkerungsgruppe zu Österreich-Ungarn. Ab den 1960er Jahren ließen sich zahlreiche muslimische Arbeitskräfte aus der Türkei und aus dem ehemaligen Jugoslawien als „Gastarbeiter“ in Österreich nieder. Seit den 1970er Jahren verzeichnete die Islamische Glaubensgemeinschaft den stärksten Zuwachs aller Religionsgemeinschaften im Land. Die größte Gruppe der migrantischen muslimischen Bevölkerung sind türkische Staatsangehörige gefolgt von Personen aus Bosnien-Herzegowina (Artikel der MSNÖ zu dem Thema: Islamisches Neujahr und Aschura-Feier).

 

Die älteste Weltreligion: das Judentum

Die älteste monotheistische Religion ist das Judentum. Als traurige Folge des Holocaust gibt es heute etwa 15 Millionen Juden – somit eine im Vergleich mit den anderen Weltreligionen kleine Gruppierung. Ein Drittel davon lebt in Israel. Im Jahr 1934 wurden insgesamt 17 Millionen Personen jüdischer Abstammung gezählt, sechs Millionen – also mehr als ein Drittel – kostete die Shoa das Leben. In Österreich lebten 1938 zwischen 201.000 und 214.000 Juden, die Mehrheit (rund 180.000) in Wien. Im Zuge der Shoa kamen etwa 65.000 jüdische Österreicher um, über 130.000 konnten emigrieren. Bei der Volkszählung im Jahr 2001 bekannten sich in Österreich mehr als 14.600 Menschen – somit  0,1 Prozent der österreichischen Bevölkerung – zum Judentum. Die Israelitische Religionsgesellschaft ist laut Israelitengesetz 1890 eine anerkannte Religionsgesellschaft (Artikel der MSNÖ zu dem Thema: Etwa 2.700 Personen sind israelischer Herkunft).

 

In Österreich als erstes europäisches Land anerkannt: der Buddhismus

Österreich ist das erste europäische Land, in dem der Buddhismus als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt wurde (1983). 2001 gibt es rund 10.000 Buddhisten, die von Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR) vertreten werden. Die ÖBR schätzt die Zahl der „dem Buddhismus ernsthaft Nahestehenden“ im Jahr 2008 auf etwa 20.000 Menschen in Österreich. Weltweit bekennen sich 350 Millionen Menschen zur buddhistischen Religion, seine Wirkung auf die fernöstlichen Kulturen verleiht ihm ebenso Weltgeltung wie sein großer spiritueller Erfolg im Westen. Etwa 20.000 bis 25.000 BuddhistInnen leben heute in Österreich. (Artikel der MSNÖ zu dem Thema: Infos zum Dalai Lama-Besuch in Österreich

 

In Österreich nicht anerkannt: der Hinduismus

90 Prozent der Hindus sind in Indien beheimatet, ihre Zahl von 900 Millionen GlaubensgenossInnen verschafft ihrer Religion jedoch globalen Rang. Die Hinduistische Religionsgesellschaft in Österreich (HRÖ) ist seit 1998 eine nach dem Bekenntnisgemeinschaftsgesetz von 1998 eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft, die aber im Gegensatz zu staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften nicht die volle Anerkennung mit den damit verbundenen Rechten besitzt. Laut der Volkszählung 2001 gab es 3.629 bekennende Hindus. Innerhalb der verschiedenen Hindu-Gruppen wird die Anzahl auf mehrere Tausend geschätzt. Nach Angaben der HRÖ leben heute 10.000 bis 12.000 Personen hinduistischen Glaubens in Österreich.

 

 

 Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Katholische Kirche in Österreichredaktion@kathpress.at, Tel: 01/512 52 83

 

Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), sejdini@derislam.at

Tel: 01/523 364 523 

 

Israelitische Kultursgemeinde Wien; r.fastenbauer@igk-wien.at, Tel. 01/531 04 – 105,   

 

Bulgarische Orthodoxe Kirche Zum Heiligen Iwan Rilski, Kühnplatz 7, 1040 Wien

 

Griechische Orientalische Metropolis von Austria (Ökumenisches Patriarchat)

Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit, 1010 Wien, Fleischmarkt 13, Tel: 01/ 533 29 65

 

Russische Orthodoxe Kirche zum Heiligen Nikolaus, 1030 Wien, Jaurèsg. 2,

Tel: 01/ 713 82 50

 

Serbische Orthodoxe Kirche Zum Heiligen Sava, 1030 Wien, Veithgasse 3,

Tel: 01/ 713 47 65

 

Rumänische Orthodoxe Kirche Zur hl. Auferstehung, 1110 Wien, Simmeringer Hauptstr. 161, (Kapelle: 1010 Wien, Löwelstr. 8), Tel: 01/ 533 03 29

 

Koptische Orthodoxe Kirche der heiligen Jungfrau von Zeitoun, 1220 Wien, Quadenstraße 4-6, Tel: 01/ 282 74 43

 

Evangelische Kirche in Österreichepd@evang.at, Tel: 01/ 712 54 61-12 

 

Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft (ÖBR)office@buddhismus-austria.at; Tel.: 01/5123719 

 

Hinduistische Religionsgemeinschaft in Österreichinfo@hroe.at 

 

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2 Kommentare

  1. Im Artikel wird berichtet, dass sich bei der bisher letzten Volkszählung 2001 „12,0 Prozent der Bevölkerung […] als Atheisten“ bezeichnet haben sollen. Das könnte bedeuten, dass eines Tages auch die „Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich“ genug Mitglieder (etwa 17.000) für eine gesetzliche Anerkennung haben wird.

  2. 2. größte Gruppe sind Atheisten und Agnostiker, nämlich über 1 Mio. Menschen.
    Diese Gruppe ist nicht privilegiert und daher diskriminiert, darf aber bei allen Subventionen der Kirchen über ihre Steuern mitzahlen.
    Daher hat der Verein der Konfessionsfreien in Österreich das Kultusamt um eine Stellungnahme gebeten.
    In vielen anderen Ländern haben Konfessionsfreie und Atheisten entsprechende Vertretungen mit gleichen Rechten und Begünstigungen wie die Religiösen, schon aufgrund des Diskriminierungsverbotes.
    Ein unhaltbarer Zustand, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Katholiken ja nur auf dem Papier dazugehört und man die Kinder abziehen muss, die dann als Erwachsene austreten. Bei jungen Leuten sind weniger als die Hälfte katholisch. Nur rund 10% praktizieren auch den Glauben und gehen in die Kirche. Damit halten sich praktizierende Katholiken und Atheisten in etwas die Waage. Katholiken haben aber erheblich mehr politisches Gewicht. Ein völlig undemokratischer Zustand!

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