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Rumänische Community zählt etwa 75.000 Menschen

Factbox
  • RumänInnen stellen die zweitgrößte Einwanderungsgruppe aus der EU
  • Etwa 75.000 Menschen rumänischer Herkunft leben in Österreich
  • Hohe Zuwanderung nach der Rumänischen Revolution und dem EU-Beitritt Rumäniens
  • Zwei Drittel der rumänischen Studierenden in Österreich sind Frauen
  • Dichtes Netz an Kulturvereinen 

 

Am 9. Dezember finden in Rumänien Parlamentswahlen statt. In Österreich lebende RumänInnen haben die Möglichkeit, im rumänischen Kulturinstitut und an der rumänischen Botschaft in Wien sowie an den Honorarkonsulaten in Salzburg, Graz und Klagenfurt zu wählen.

 

In Österreich lebende RumänInnen sind nicht gesetzlich verpflichtet, sich in der Evidenz der Konsularabteilung der Botschaft von Rumänien registrieren zu lassen oder sich zu melden. Bei den letzten Parlamentswahlen im Jahr 2008 machten etwa 2.500 RumänInnen in Österreich von ihrem Wahlrecht Gebrauch, teilte die rumänische Botschaft auf Anfrage der MSNÖ mit.

 

Zweitgrößte Einwanderungsgruppe aus der EU

Die rumänische Community in Österreich ist nach der deutschen die zweitgrößte aus den 27 EU-Staaten, insgesamt die zahlenmäßig sechsstärkste (nach Deutschland, Serbien, der Türkei, Bosnien-Herzegowina und Kroatien). Laut Statistik Austria (01.01.2012) leben 74.639 Personen rumänischer Herkunft hierzulande, 48.470 besitzen die rumänische Staatsbürgerschaft.

 

Vertretungen der rumänischen Diaspora haben keine davon abweichenden Zahlen. Die rumänische Botschaft spricht von etwa 40.000 rumänischen StaatsbürgerInnen in Österreich, Kulturvereine verweisen auf die Zahlen der Statistik Austria.

 

Am höchsten ist die Zahl von Personen rumänischer Herkunft in Wien (23.738), gefolgt von Oberösterreich (13.686), Niederösterreich (13.674) und der Steiermark (13.188). In Vorarlberg leben mit 818 Personen am wenigsten.

  

Stichtag: 01.01.2012 Österreich Bgld Ktn Slbg Stmk Tirol Vlbg Wien

Geburtsland in Rumänien

(Rumänische +Österreichische

StaatsbürgerInnen)

70.817 2.771 2.038 13.027 13.081 2.862 12.175 1.675 805 22.383

Geburtsland in Rumänien

(Österr. StaatsbürgerInnen)

26.169 1.213 653 5.775 6.548 1.105 3.441 419 271 6.744
Rumänische Staatsbürgerschaft 48.470 1.593 1.526 7.899 7.138 1.791 9.747 1.235 547 16.994
Rumänische Herkunft 74.639 2.806 2.179 13.674 13.686 2.896 13.188 1.654 818 23.738

Quelle: Statistik Austria

 

Durchschnittlich wandern pro Jahr etwa 5.000 RumänInnen nach Österreich ein

Die erste – wenn auch statistisch nicht gut erfasste – Einwanderungsbewegung aus Rumänien fand nach Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Es handelte sich meist um vertriebene deutsch sprechende Personen, die als Minderheit in Rumänien gelebt haben.

 

1948 zählte das Innenministerium 61.268 versetzte Personen und Flüchtlinge aus Rumänien, 56.601 von ihnen waren deutschsprachig. Wenn die erste Volkszählung 1951 lediglich von 2.798 rumänischen StaatsbürgerInnen in Österreich spricht, liegt das daran, dass die Staatsbürgerschaft der Flüchtlinge laut dem Buch “Flüchtlinge und Heimatvertriebene in der österreichischen Statistik” von Heimold Helczmanovszki (1975) in den meisten Fällen (76 Prozent) ungeklärt war. Bei nur 24 Prozent der AusländerInnen war die Staatsbürgerschaft bekannt.

 

Danach stieg die Zahl der rumänischen StaatsbürgerInnen in Österreich erstmals signifikant nach der Rumänischen Revolution (1989), im Zuge derer das Regime von Nicolae Ceausescu gestürzt wurde und viele Menschen in den Westen flüchteten. Während in der österreichischen Volkszählung von 1981 lediglich 1.253 RumänInnen aufscheinen, sind es 1991 bereits 18.536. Ein weiterer signifikanter Anstieg ist seit dem EU-Beitritt Rumäniens 2007 zu bemerken. Lebten 2007 noch 21.882 RumänInnen in Österreich stieg ihre Zahl bis 2012  kontinuierlich auf 48.470.

 

 

1981

1991

2007

2008

2009

2010

2011

2012

1.253

18.536

21.882

27.646

32.341

35.962

41.739

48.470

Rumänische StaatsbürgerInnen im historischen Vergleich, Quelle: Statistik Austria

 

Das Wanderungssaldo zwischen Österreich und Rumänien schwankte in den vergangenen fünf Jahren zwischen 3.354 (2009) und 6.163 (2011). Parallel zu den Zuzügen stiegen auch die Wegzüge nach Rumänien.

 

  2007 2008 2009 2010 2011
Zuzüge 9.273 9.260 9.327 11.539 13.713
Wegzüge 3.491 4.633 5.973 6.362 7.550
Saldo 5.782 4.627 3.354 5.177 6.163

Wanderungen 2007-2011, Quelle: Statistik Austria

 

Zwölf Mal weniger RumänInnen wurden im Gegensatz zu 2001 im Jahr 2011 eingebürgert. Waren es vor zehn Jahren noch 2.818 Personen, so liegt der aktuelle Wert bei 223 neuen ÖsterreicherInnen. Im selben Zeitraum erhielten 2010 am wenigsten RumänInnen (114) die österreichische Staatsbürgerschaft.  

 

2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
2.818 1.779 2.098 1.376 1.130 983 455 382 246 114 223

Einbürgerungen von RumänInnen nach Österreich (2001-2011), Quelle: Statistik Austria 

 

Studierende Frauen überwiegen um ein Drittel

Im Jahr 2011 studierten 1.859 RumänInnen in Österreich. Die Zahl stieg seit 2005 konstant an. Der rumänische Männeranteil an öffentlichen Universitäten lag in den vergangenen sieben Jahren zwischen 32,8 und 35,6 Prozent.

 

Wintersemester  2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Universität 718 753 861 968 1.229 1.507 1.712
Fachhochschule 23 24 22 39 61 71 89
Privatuniversität 30 31 39 53 52 52 58

Rumänische Studierende in Österreich (2005-2011), Quelle: BMWF

 

Dichtes Netz an Vereinen 

Die rumänische Diaspora verfügt hierzulande über zahlreiche Vereine. Einer der ältesten ist die 1951 gegründete Österreichisch-Rumänische Gesellschaft. Ihr Ziel ist es, ein kulturelles, wirtschaftliches und wissenschaftliches Netzwerk zwischen Österreich und Rumänien aufzubauen. Im Vorstand der Gesellschaft finden sich neben dem ehemaligen OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttensdorfer (fungiert als Präsident der Gesellschaft) auch Emil Brix (österreichischer Botschafter in London), Karlheinz Essl (Kunstsammler) und Christoph Badelt (Rektor der WU Wien). Der wohl bekannteste Österreicher mit rumänischen Wurzeln ist der ehemalige Staatsoperndirektor Ioan Holender.

 

Das rumänische Kulturinstitut in Wien widmet sich der Förderung meist zeitgenössischer rumänischer Kunst und Kultur. In den vergangenen fünf Jahren fanden etwa die Rumänischen Filmtage regelmäßig statt. Angeboten werden weiters “rumänische Spaziergänge” durch Wien oder Lesungen. Zudem bietet das Kulturinstitut kostenlose Rumänisch-Sprachkurse an.

 

Sieben rumänisch-orthodoxe Kirchen

Die absolute Mehrheit der RumänInnen bekennt sich zum orthodoxen Glauben. Laut der rumänischen Volkszählung 2002 sind 86,7 Prozent der Bevölkerung Mitglieder der rumänisch-orthodoxen Kirche. Diese hat in Österreich sieben Niederlassungen (in Wien, Graz, Knittelfeld, Klagenfurt, Salzburg, Linz und Feldkirch). Die einzige rumänisch-katholische Gemeinde Österreichs befindet sich in Graz.

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Der Artikel wurde erstmals am 17. November 2011 publiziert und nun anlässlich der Parlamentswahlen am 9. Dezember überarbeitet und aktualisiert.

 

Statistik Austria, presse@statistik.gv.at, Tel: 01/711 28/7777

 

Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF)infoservice@bmwf.gv.at, Tel: 01/ 531 20-0   

 

Rumänische Botschaft in Wienambromviena@ambrom.at, Tel: 01/505 32 27   

 

Österreichisch-Rumänische Gesellschaftinfo.office@austrom.eu, Tel: 01/40 440-212 26 

 

Rumänisches Kulturinstitut in Österreich, office@rkiwien.at, Tel. 01/319 10 81

 

Das rumänische Kulturinstitut bietet den “Spaziergang auf rumänischer Spurensuche durch Wien” an.  

 

Liste der rumänischen Kulturvereine auf der Seite der rumänischen Botschaft

 

Rumänisch-orthodoxe Kirche Wien

 

Rumänische MigrantInnen in translatorischen Berufsbildern, Diplomarbeit Universität Wien, 2008, von Candinia Ioana Roi in der iBibliothek.

 




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