AfrikanerInnen in Österreich

Factbox

  • In Österreich leben 41.938 gebürtige AfrikanerInnen
  • 23.179 sind Staatsbürger eines afrikanischen Landes
  • Rund 13.000 sind in Ägypten auf die Welt gekommen
  • Der erste dokumentierte Afrikaner in Österreich ist 1629 nachweisbar
  • Bis in die Nachkriegszeit kamen viele Studierende, heute sind es vor allem Flüchtlinge
  • 75 % der in Wien lebenden Afro-Österreicher haben Matura, 33 Prozent Uni-Abschluss

 

Anfang 2012 haben insgesamt 41.938 Personen, die in Afrika geboren wurden, in Österreich gelebt. 23.179 besitzen eine Staatsbürgerschaft eines afrikanischen Landes. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) sah sich Daten, Zahlen und Fakten zu den afrikanischen Communitys an.

Geburtsland: ÄgypterInnen vor NigerianerInnen
Von den 41.938 in Afrika geborenen Personen wurden 13.056 (Stand 1.1.2012) in Ägypten geboren, gefolgt von Nigeria (6.842):
Land Anzahl
Ägypten 13.056
Nigeria 6.842
Tunesien 3.423
Südafrika 2.452
Ghana 2.120

Hier lebende Personen mit afrikanischem Geburtsland (Stand 1.1.2012); Quelle: Statistik Austria / eigene Darstellung

 

Regional verteilen sich die gebürtigen AfrikanerInnen v.a. auf Wien und – mit Respektabstand, Steiermark und Oberösterreich:

Ö ges. Bgld Ktn Slbg Stmk Tirol Vlbg Wien
41.938 438 1.345 3.249 4.323 1.715 4.900 2.165 773 23.030

Hier lebende Personen mit afrikanischem Geburtsland nach Bundesländern (Stand 1.1.2012); Quelle: Statistik Austria / eigene Darstellung

 

Sieht man sich die Staatsbürgerschaften genauer an, haben die Nigerianer mit 5.621 Anfang 2012 hier lebenden StaatsbürgerInnen die Nase knapp vorne, die ÄgypterInnen folgen mit 5.281:

 

Land Anzahl
Nigeria 5.621
Ägypten 5.281
Tunesien 1.796
Somalia 1.296
Ghana 1.131

Hier lebende Personen mit afrikanischer Staatsbürgerschaft (Stand 1.1.2012); Quelle: Statistik Austria / eigene Darstellung

 

Ö ges. Bgld Ktn Slbg Stmk Tirol Vlbg Wien
23.179 252 747 1.643 2.566 1.134 3.041 1.138 356 12.302

Hier lebende Personen mit afrikanischer Staatsbürgerschaft nach Bundesländern (Stand 1.1.2012); Quelle: Statistik Austria / eigene Darstellung

 

Viele verschiedene Communitys und Gruppen

Die AfrikanerInnen in Österreich gibt es nicht: Von der Ärztin bis zum Asylsuchenden, von UNO-Diplomaten bis zu Musikern – die Menschen mit afrikanischen Background könnten unterschiedlicher nicht sein. Personen mit Wurzeln am südlichen Kontinent leben in ganz Europa in unterschiedlichen Gruppen und Communitys. Manche teilen das Religionsbekenntnis, manche eine Clan-Zugehörigkeit, andere bringt in der Ferne das Heimatland zusammen, andere wiederum sind ganz einfach Europäer bzw. Österreicher.

 

Der erste Versuch, den Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund eine einheitliche Stimme zu geben, stellt die Afrikavernetzungsplattform (AVP) dar. Sie wurde 2009 in Graz durch Mitglieder afrikanischer Verbände gegründet. Bekannt ist vor allem das AVP-Projekt „Ke Nako – Afrika jetzt!“, das seit der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika 2010 läuft.

 

Drei Viertel der Afro-ÖsterreicherInnen haben Matura

Der Wissenschafter Erwin Ebermann nahm in einer Untersuchung die Menschen aus dem Subsahara-Gebiet unter die Lupe: Damals (Stand 2006) kamen demnach rund 26.000 Individuen aus dem Gebiet südlich der arabischen Staaten Nordafrikas. Interessant, aber oft übersehen: Laut einer ebenfalls 2006 von Ebermann erhobenen Statistik haben 75 Prozent der in Wien lebenden Afro-ÖsterreicheInnen Matura und 33 Prozent einen Uniabschluss (der Anteil der AkademikerInnen in Österreich lag in den letzten Jahren um die 20 Prozent).

 

Wieso AfrikanerInnen in Österreich landen und landeten, dafür gibt es unzählige Gründe. Die Motive haben sich über die Zeit allerdings erkennbar verschoben.

 

Nachweisbare Spuren bis ins 17. Jahrhundert

Der Historiker Walter Sauer hat die Wurzeln der afrikanischen Diaspora bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt. Der erste dokumentierte Afrikaner in Österreich (was natürlich nicht heißt, dass es nicht davor schon welche gab) wurde 1629 in Wien auf den Namen Balthasar im Stephansdom getauft. Es handelte sich womöglich um einen entlaufenen Sklaven des osmanischen Sultans.

 

Die Geschichte der Zuwanderung von Afrikanern in k.k. Landen hat mit Ausbeutung zu tun, wenn auch in kleinerem Ausmaß als bei Kolonialgroßmächten wie Großbritannien oder Frankreich. Aber die AfrikanerInnen waren in der Habsburger-Monarchie SklavInnen und Diener, die nur in Ausnahmen auf der gesellschaftlichen Leiter etwas nach oben kletterten: Bekannt ist die Geschichte von Angelo Soliman (in Wien nachweisbar ab 1754, hier verstorben 1796), der es immerhin zum habsburgischen Kammerdiener und Mitglied der Freimaurerloge „Zur wahren Eintracht“ schaffte. Eine Story ohne Happy End: Solimans Leichnam wurde im kaiserlichen „Physikalischen, Kunst- und Tierkabinett“ der Öffentlichkeit zur Schau gestellt. Seine Tochter Josephine Soliman protestierte erfolglos.

 

Von BildungsmigrantInnen zu AsylwerberInnen

Dass es unterschiedlichste Formen von Migration gibt, zeigt die Zeit des Zweiten Weltkriegs: Als Teil der Alliierten lebten nicht nur Afro-Amerikaner der US-Armee, sondern etwa auch (in Vorarlberg) marokkanische Soldaten der französischen Armee temporär in der Alpenrepublik. Die sogenannten Besatzungskinder sind Nachkommen, die aus Partnerschaften mit Österreicherinnen hervorgingen.

 

In der Nachkriegszeit kamen vor allem Studierende aus Afrika. Ägyptische BildungsmigrantInnen waren in den 1950er- und 60er-Jahren quasi Tradition, schon zu Monarchiezeiten gab es diese Bewegung. Walter Sauer weist einen Anstieg der afrikanischen (mehrheitlich ägyptischen) Studierenden von 19 im Wintersemester 1953/54 auf 639 im Wintersemester 1961/62 nach.

 

In der jüngeren Vergangenheit waren es vor allem AsylwerberInnen, die die Reise über das Mittelmeer machten. War ihre Zahl in den 1970er-Jahren im zweistelligen und in den 1980er-Jahren im dreistelligen Bereich, stieg sie in den 1990ern deutlich in den Tausender-Bereich (laut Sauer 1.639 Flüchtlinge aus Afrika im Jahr 1991). Das hatte nicht zuletzt mit dem Ende des Kalten Krieges, der Öffnung der Grenzen und der globalen wirtschaftlichen Entwicklung zu tun. Migriert wird trotz Verschärfungen der Fremdenrechtsgesetze: Statt legal reisen nun viele mit Hilfe von Schleppern. Zwischen 2000 und 2004 zählte man über 12.400 AsylwerberInnen afrikanischer Herkunft.

 

ExpertInnen wie Ebermann sind sich sicher: Durch die Änderung der Wanderungsmotive veränderte sich die Situation nach der Ankunft. Afrikanische AkademikerInnen von einst hatten es leichter, hier Fuß zu fassen. Hilfesuchende werden von der alteingesessenen Bevölkerung hingegen schneller als Belastung bzw. Bedrohung des Sozialstaats gesehen.

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

Der Artikel wurde am 10. August 2011 erstveröffentlicht und am 25. Juli 2012 aktualisiert.

Alexis Nshimyimana-Neuberg, Obmann der Afrikavernetzungsplattform und von Radio Afrika: alexis.n@radioafrika.net

Radio Afrika bietet einen Einblick in die afrikanische Community in Wien

Die Afrikavernetzungsplattform ist in mehreren Bundesländern aktiv: office@afrikaplattform.at

Clara Akinyosoye, Österreicherin mit afrikanischen Wurzeln, ist Chefredakteurin von M-Media Mail: akinyosoye@m-media.or.at

 

Der Bericht „Schwarze Menschen in Österreich“ kann kostenpflichtig beim Verlag Black European Publishers um 8 € zzgl. Versandkosten erworben werden.

Black European Publishers

AFRA, Pelzgasse 7, 1150 Wien

Bestellung auch per Email möglich: office@blackwomencenter.org

Erwin Ebermann, Institut für Afrikanistik: erwin.ebermann@univie.ac.at

Walter Sauer, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte:  walter.sauer@univie.ac.at

 

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