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Integrationsbericht 2012

 Factbox

 

  • Höhere Nettozuwanderung gegenüber 2010
  • MigrantInnen in höheren und niedrigen Bildungsschichten vertreten
  • Höhere Arbeitslosenquote bei AusländerInnen
  • Lebenserwartung von Zuwanderern höher 
  • 18% aller Eheschließungen im Jahr 2011 waren binational 

 

 

Der am 9. Juli 2012 von Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) präsentierte Integrationsbericht enthält Zahlen, Daten und Fakten der Statistik Austria zur Situation von MigrantInnen in Österreich. Die Medien-Servicestelle Neue ÖsterreicherInnen (MSNÖ) gibt im Folgenden einen Überblick anhand der im Bericht verwendeten Integrationsfaktoren wie Bildung und Sprache, Erwerbsarbeit, Gesundheit und Soziales, Sicherheit und Wohnverhältnisse: 

 

Netto-Zuwanderung erhöhte sich gegenüber 2010

130.000 Personen (vgl 2010: +14%) kamen im Jahr 2011 nach Österreich, 95.000  (vgl 2010: +9,2%) wanderten ab. Die meisten ZuwandererInnen kamen aus der EU (72.000), gefolgt von 15.000 zurückkehrenden ÖsterreicherInnen. Den höchsten Zuwanderungsüberschuss konnten Personen aus Deutschland mit 6.500, gefolgt von Rumänien mit 6.200 und Ungarn mit 4.400 verzeichnen. BürgerInnen aus ex-Jugoslawien hatten einen Wanderungsgewinn von 2.500, BürgerInnen aus der Türkei gar nur ein plus von 600 Personen. Die größte Gruppe, die Österreich im Jahr 2011 verließ, waren mit 21.000 die ÖsterreicherInnen selbst. Nachdem im Jahr 2003 noch 45.000 Personen eingebürgert wurden, sank diese Zahl auf 6.135 im Jahr 2010. 2011 gab es mit 6.690 wieder einen leichten Aufschwung. 42% stammten aus ex-Jugoslawien, 18% aus der Türkei. Zugenommen hat die Zahl der Asylanträge von knapp 11.000 im Jahr 2010 auf zirka 14.000 im Jahr 2011. Aus Afghanistan (3.609), Russland (2.314) und Pakistan (949) stammen die meisten AsylwerberInnen. Im EU-Vergleich liegt Österreich an siebter Stelle in absoluten Zahlen an Asylanträgen.

 

Im letzten Jahr stieg der Bestand der ausländischen Wohnbevölkerung um 43.000 auf 971.000 Personen (11,5% der Gesamtbevölkerung). Zirka 1.569 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (18,9% der Gesamtbevölkerung) lebten durchschnittlich im Jahr 2011 in Österreich. 1.153 Millionen zählen zur Ersten Generation, 415.000 zur Zweiten Generation. 227.000 Personen ausländischer Herkunft kamen aus Deutschland, gefolgt von 209.000 aus Serbien, Montenegro, Kosovo und der Türkei: 186.000. 

 

78.109 Neugeborene kamen 2011 in Österreich auf die Welt, 76.479 Personen verstarben. Mit +9.221 Neugeborenen hatten AusländerInnen einen Geburtenüberschuss, mit -7.591 Personen hatten ÖsterreicherInnen einen Sterbefallüberschuss. Durchschnittlich 1,32 Kinder wurden durch Österreicherinnen gebaren, 1,83 Kinder von Frauen ausländischer Herkunft. Dabei ist zu beachten, dass eingebürgerte Frauen sich dem Fertilitätsniveau relativ rasch angepasst haben (1,49 Kinder); ausländische Frauen bekamen im Durchschnitt 1,96 Kinder. 

 

Zuwanderer in höchsten und niedrigsten Bildungsschichten überproportional vertreten

Während MigrantInnen vor allem hohen und niedrigen Bildungsschichten angehören, ist die nicht-migrantische Bevölkerung auch im Zeitverlauf hauptsächlich in der mittleren Bildungsebene (Lehr- und Fachschulausbildungen) zu finden. Ausländische SchülerInnen besuchen relativ häufig die Hauptschule, den polytechnischen Lehrgang und die Neue Mittelschule. Sonderschulen haben mit 18,1% den höchsten AusländerInnenanteil.

 

Gegenüber dem Wintersemester 2009/10 mit 54.000 AusländerInnen inskribierten im Wintersemester 2010/11 59.000 AusländerInnen an einer österreichischen Universität. Zwei Drittel Studierenden aus dem Ausland kommen aus dem EU/EWR-Raum, am meisten aus Deutschland (21.800). 35% aller MigrantInnen im Alter von 25 bis 64 verfügten über Matura oder waren AkademikerInnen, bei Nicht-MigrantInnen im selben Alter waren es 29%. Das Bildungsniveau der Zweiten Generation glich sich an dem von Personen ohne Migrationshintergrund an. 

 

13% der nichtdeutschsprachigen SchülerInnen setzen nach Absolvierung der 8. Schulstufe ihre Ausbildung (zumindest in Österreich) nicht fort. Bei den deutschsprachigen sind es 4%, die vor dem Pflichtschulabschluss die Schule verließen. Hier besteht laut dem Integrationsbericht Handlungsbedarf.

 

Erwerbstätigenquote von MigrantInnen geringer als bei Nicht-MigrantInnen

65% der MigrantInnen stehen im Erwerbsleben im Gegensatz zu 74% der Nicht-MigrantInnen. Der Schnitt wird hier vor allem aufgrund der niedrigeren Erwerbstätigenquote von türkischen Frauen (45%) gedrückt. 61% der Personen ohne Migrationshintergrund waren im Jahr 2011 Angestellte und BeamtInnen, 23% ArbeiterInnen. Personen mit Migrationshintergrund waren überwiegend (47%) ArbeiterInnen, den höchsten Anteil hatten Personen aus der Türkei (69%) und dem ehemaligen Jugoslawien (63%). 9% der MigrantInnen waren selbstständig, bei Nicht-MigrantInnen waren es 15%. Auch hier gilt: Die Zweite Generation gleicht sich der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund an.

 

Im Jahr 2011 gab es eine Gesamtarbeitslosenquote von 6,7%, bei ÖsterreicherInnen lag diese bei 6,3%, bei AusländerInnen bei 9,4%. Die höchste Arbeitslosigkeit gab es unter Personen aus Nicht-EU-Staaten (14,5%) gefolgt von Personen aus der Türkei (12,7%). Die Langzeitarbeitslosigkeit war hingegen bei AusländerInnen (1,1%) geringer als bei ÖsterreicherInnen (2,2%). Laut den Ergebnissen des AMS-Erwerbskarrierenmonitoring war die Jugendarbeitslosigkeit (15-24 Jährige) bei AusländerInnen (8,3%) höher als bei ÖsterreicherInnen (7,3%). Besonders häufig betroffen waren Jugendliche aus ex-Jugoslawien (9,4%) und TürkInnen (8,1%). 

 

Mehr als ein Viertel (28%) der im Ausland geborenen Beschäftigten fühlte sich im Jahr 2008 überqualifiziert, 10% waren es bei Personen, die in Österreich geboren wurden. Die Nostrifikation gestaltete sich für viele MigrantInnen als schwierig. 

 

Gesundheit und Soziales: Höhere Armutsgefährdung bei AusländerInnen

Das Lohnniveau ist bei Zuwanderern deutlich niedriger. in den letzten fünf Jahren ging die Schere des Lohnniveaus zwischen in- und ausländischen Staatsangehörigen auseinander. 25% der ausländischen Bevölkerung ist armutsgefährdet, 11% sind es bei der inländischen Bevölkerung. 

 

Die Lebenserwartung von österreichischen Frauen lag 2011 bei 83,4 Jahren, bei Männern: 78,0. Bei migrantischen Frauen liegt die Lebenserwartung in etwa gleich hoch (83,3), bei Männern höher (78,9). Am ältesten werden Männer  (79,4) und Frauen (85,6) türkischer Herkunft. 

 

Sicherheit: Zuwanderer als Opfer und Täter

Viermal soviele AusländerInnen (1,4%) wie ÖsterreicherInnen (0,4%) wurden 2011 gerichtlich verurteilt. Gleichzeitig waren AusländerInnen knapp doppelt so oft Opfer von Straftaten, als ÖsterreicherInnen. 

 

Beengte Wohnverhältnisse und hohe Segregation

Mehr als 80% der Personen ausländischer Herkunft lebten in nur 10% aller Gemeinden Österreichs, am meisten in Wien (40%). Die Mehrheit der ausländischen Wohnbevölkerung lebt in Miet- und nicht in Eigentums-, Genossenschafts- oder Gemeindewohnungen. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf lag im Jahr 2011 bei ungefähr 44m². 31m² pro Kopf hatten MigrantInnen zu Verfügung, 26m² waren es bei Personen aus ex-Jugoslawien, 21m² bei TürkInnen. EU-BürgerInnen hatten durchschnittlich 48m² Wohnraum pro Kopf.

 

Überdurchschnittlich hoch ist die Wohnkostenbelastung bei Personen ausländischer Herkunft. Rund 35% mussten mehr als ein Viertel ihres Haushaltseinkommens aufwenden, der österreichische Durchschnitt liegt bei rund 18%. Besonders stark betroffen waren Personen türkischer Abstammung (44%). 

 

Soziale und identifikatorische Dimension

Laut Integrationsbericht kann ein hohes Ausmaß an binationalen Eheschließungen (18%) im Jahr 2011 festgestellt werden. 6.500 von insgesamt 36.400 Eheschließungen waren binational, 4.100 (11%) betrafen ausschließlich Brautleute ausländischer Herkunft. 

 

2% der seit mehr als zehn Jahren lebenden AusländerInnen ließen sich 2011 einbürgern. 

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Der Integrationsbericht 2012 ist abrufbar in der iBibliothek 

 

Die Bilanz des Expertenrats ist einsehbar in der iBibliothek

 

Universitätsprofessor Heinz Fassmann ist der Vorsitzende des Expertenrates für Integrationsfragen

heinz.fassmann@univie.ac.at; Tel: 01/4277-48680 

 

Kenan Güngör, Mitglied des Expertenrates, Soziologe und Integrations-Experte

k.guengoer@think.difference.org; Tel: 01/5227080

 

Gerald Fleischmann, Pressesprecher von Staatssekretär Sebastian Kurz

Gerald.Fleischmann@bmi.gv.at; Tel: 01/53126-7004

 

Statistik Austriapresse@statistik.gv.at; Tel: 01/71128-7777  

 

 


 




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