20-Punkte-Programm: Die Bilanz des Expertenrats

 Factbox

  • Zehn Punkte wurden bereits umgesetzt, einer noch gar nicht
  • Erfolgreich: „Arbeit und Beruf“, „Interkultureller Dialog“, „Sprache und Bildung“
  • „Wohnen“, „Gesundheit“, „Rechtsstaat“ schneiden schlechter ab
  • Maßnahmen zu „Integrationsfördernde Hausverwaltung“ noch ausständig

Zehn Vorschläge des 20-Punkte-Programms des Expertenrats für Integration wurden im letzten Jahr umgesetzt, Neun Vorschläge befinden sich in laufender Umsetzung und mit einem Vorschlag wurde noch gar nicht begonnen. Das ist das Ergebnis der heute präsentierten Bilanz. Von insgesamt sieben Themenfeldern war der Bereich „Arbeit und Beruf“ am erfolgreichsten, gefolgt von „Interkultureller Dialog“ und „Sprache und Bildung“. Nach „Wohnen und die regionale Dimension“ schneidet „Gesundheit und Soziales“ sowie „Rechtsstaat und Werte“ am schlechtesten ab. Der Überblick über die Umsetzung des Programms ist abrufbar in der iBibliothek.

1. Sprache und Bildung 

  • „Deutsch vor Zuzug“ für alle Personen, die nach Österreich zuwandern wollen: Neben online verfügbare Informationen rund um das Thema Zuwanderung (www.migration.gv.at) werden Landkarten mit DeutschkursanbieterInnen und Modelltests zu allen Prüfungsformaten (beide www.integrationsfonds.at) angeboten. Weiters wurde die Nostrifizierung erleichtert. Zertifikate von Deutschkenntnissen können weiterhin nur vom Goethe Institut, der telc GmbH, dem Österreichischen Sprachdiplom (ÖSD) und dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) anerkannt werden. Der Expertenrat sieht hier einen Verbesserungsbedarf.
  • „Deutsch für Niedergelassene“ für bereits länger in Österreich lebende MigrantInnen: Das Hausbesuchsprogramm „HIPPY“ wurde weiter ausgebaut. Der Expertenrat empfiehlt hier auch aufgrund des Erfolgs von HIPPY die systematische Vorantreibung des Ausbaus von niederschwelligen Angeboten. Beim ÖIF gibt es Arbeitsmarktspezifische Deutschkurse derzeit im Bereich Einstieg in die Pflege, bzw. Deutsch für NostrifikantInnen – Diplomkrankenpflege. Der Expertenrat wünscht sich ein positives Anreizsystem für die Absolvierung von Deutschkursen.
  • „Stärkung der Teilnahme am Bildungssystem“ insbesondere für (vor)schulpflichtige Kinder aus Migrantenfamilien: Besonders wichtig erachtet der Expertenrat die Initiative zur frühen sprachlichen Förderung in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen. Weitere Schwerpunkte wurden auf die Förderung von Deutschkenntnissen von schulischen QuereinsteigerInnen, auf Lehrgängen für Erwachsene, Maßnahmen für Schulpflichtverletzungen und einem bundesweiten Ausbau von Lerncafes gelegt.

2. Arbeit und Beruf

  • Anerkennung/Validierung von Qualifikationen: Eine Info-Homepage (www.berufsanerkennung.at) wurde ins Leben gerufen, sowie eine Info-Broschüre (Anerkennungs-ABC) zur Anerkennung von reglementierten Berufen geschrieben. Raschere Berufsanerkennung für akademische Ausbildungen soll durch ein 5-Punkte Programm in Zukunft gewährleistet werden.
  • Nachqualifikation zur Sicherung eines formalen Schulabschlusses: Durch eine Bund-Länder-Vereinbarung wird im Zeitraum 2012 bis 2014 ungefähr 12.400 Personen das gratis Nachholen von Bildungsabschlüssen ermöglicht.
  • Förderung der Berufstätigkeit von Migrantinnen: Seit 2008 gibt es hierfür das Mentoringprogramm der Wirtschaftskammer, des ÖIF und des AMS. Die Sicherung der bildungsadäquaten Beschäftigung und die Entwicklung von Karrieremöglichkeiten von MigrantInnen wird durch das Projekt „Integration Assistance Programm“ gefördert. Durch die Einführung des AMS-Migrantenindex soll eine gezieltere Betreuung von MigrantInnen am Arbeitsmarkt ermöglicht werden.

3. Rechtsstaat und Werte

  • Erstellung einer Rot-Weiß-Rot-Fibel: Hier wurde bis jetzt eine Grundkonzeption entwickelt, in die rechtsdogmatische,  rechtsphilosophische,  aber  auch  rechtshistorische  und  rechts­soziologische Aspekte eingearbeitet wurden. Die Fibel soll in mehreren Sprachen zu Verfügung stehen.
  • Erhöhung des Interesses am Erwerb der Staatsbürgerschaft: Laut Expertenrat besteht in diesem Fall noch Handlungsbedarf. Der Rat empfiehlt die Neufassung der Staatsbürgerschaftsbroschüre, in der der Prüfungsstoff des Staatsbürgerschaftstests nachgelesen werden kann.

4. Gesundheit und Soziales

  • Förderung  des  Gesundheitsbewusstseins  bei  gesundheitlich benachteiligten Gruppen: Der Expertenrat nennt u.a. folgende Best-practice-Beispiele: „Vorsorgeuntersuchung Neu“ der Österreichischen Sozialversicherung, Gekona: Gesundheit kommt nachhause – Mehr Wissen hilft!, Umibera – Umfassende Multiprofessionelle Beratung und Betreuung für Migrantinnen in besonders belastenden Lebenssituationen.
  • Förderung des Diversitätsbewusstseins des Gesundheitssystems und des Pflegewesens: Wie beim vorigen Punkt nennt der Expertenrat u.a. folgende best-practice-Beispiele: Gewinnung und Vorqualifizierung von MigrantInnen für die Pflege und Betreuung (Diversity@Care), Lehrgang „Migration und Gesundheit“ der Donau-Universität Krems, Leitfaden und Handbuch „Interkulturell kompetent – ein Handbuch für ÄrztInnen“. Der Expertenrat empfiehlt die Erhöhung der interkulturellen Kompetenz und die Verbesserung der Sprachkenntnisse im Bereich Gesundheit.

5. Interkultureller Dialog

  • Dialogforum Islam: Sieben Arbeitsgruppen diskutieren Themen, wie Geschlechterrollen, Staat und Islam, Islamismus und Islamfeindlichkeit. Mitte Juli sollen erste Ergebnisse, der Endbericht Ende 2012 präsentiert werden.
  • Beispiele gelungenen Lebens von MigrantInnen in Österreich (Role-Models): Rund 150 IntegrationsbotschafterInnen besuchten mehr als 50 Schulen. Die Projektdokumentation ist abrufbar unter: www.zusammen-oesterreich.at. Ab Juni 2012 wurde das Projekt auf Vereine, Organisationen und Ehrenamt erweitert.
  • Glossarium und Selbstverpflichtung für die Medien: Ein Katalog mit Begrifflichkeiten wurde erstellt.
  • Medienpreis: Die erstmalige Verleihung findet am 25. September 2012 statt. Der Preis ist mit 10.000 Euro, der bestdotierteste in der österreichischen Medienlandschaft.
  • Förderung Jung-JournalistInnen: Seit 20. September 2011 werden Jung-JournalistInnen durch das Stipendienprogramm der Zeitschrift „DasBiber“ gefördert. Der Grundkurs dauert zwei Monate.

6. Sport und Freizeit

  • Freizeit am Schulstandort: Der Lehrplan wurde ab dem Wintersemester 2011/12 mit dem „Curriculum Freizeitpädagogik“ erweitert.
  • Integrationsförderansatz in der Bundessportförderung: Eine ExpertInnenarbeitsgruppe „Sport und Integration“ wurde im Sportministerium eingerichtet, um Maßnahmen und Förderempfehlungen zu erarbeiten. Weiters werden interkulturelle Workshops und ein Mentoringprojekt durchgeführt werden. Seit letztem Jahr gibt es einen Integrationspreis Sport, der dieses Jahr im November verliehen wird. Bewusstsein hinsichtlich des Problems Rassismus soll während Sportveranstaltungen und durch Vortragsreihen an Schulen geschaffen werden.

7. Wohnen und die regionale Dimension der Integration

  • Verbesserung des Vergabe-/Besiedelungsmanagements im gemeinnützigen und gemeindeeigenen Wohnungssektor: Die Donau-Universität Krems veranstaltete eine zweitägige Tagung im November 2011 mit dem Thema „Wohnen und Integration als regionale Herausforderung“. Eine Fragebogenerhebung zu kommunalen Vergaberechten wurde erstellt, um Einblick über die Vergaberechte und Praktiken in Gemeinden mit mehr als 15.000 EinwohnerInnen zu erhalten.
  • Integrationsfördernde Hausverwaltung: Das interkulturelle Zusammenleben soll durch Maßnahmen in Gemeindesiedlungen  verbessert werden. Die Umsetzung steht noch aus.
  • Förderung der Integrationskompetenz auf kommunaler Ebene: Das Netzwerk „Integration im ländlichen Raum“ wurde ins Leben gerufen bei dem in Zusammenarbeit mit Integrationsstellen der Bundesländer, dem Bundeskanzleramt und dem Städte- und Gemeindebund ein Konzept zur Verbesserung der Integrationskompetenz in ländlichen Regionen erarbeitet wurde.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

Die Bilanz des Expertenrats ist einsehbar in der iBibliothek

Der Integrationsbericht 2012 ist abrufbar in der iBibliothek

Universitätsprofessor Heinz Fassmann ist der Vorsitzende des Expertenrates für Integrationsfragen

heinz.fassmann@univie.ac.at; Tel: 01/4277-48680

Kenan Güngör, Mitglied des Expertenrates, Soziologe und Integrations-Experte

k.guengoer@think.difference.org; Tel: 01/5227080

 

Gerald Fleischmann, Pressesprecher von Staatssekretär Sebastian Kurz

Gerald.Fleischmann@bmi.gv.at; Tel: 01/53126-7004

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