73 der 268 Bundesliga-Profis sind „Legionäre“

Factbox

  • Englische Premier League hat mit über 62 Prozent den größten Ausländer-Anteil
  • In Österreichs Bundesliga spielen nur etwa halb so viele ausländische Fußballer
  • 73 der 268 Profis haben einen ausländischen Pass – vor allem Deutsche und Spanier
  • Traditionell kommen „Legionäre“ auch aus osteuropäischen Staaten 
  • Herkunfts-Regionen außerhalb Europas erst ab den 1960er-Jahren wichtiger

 

Die englische Premier League ist unter den höchsten Spielklassen weltweit die nationale Fußball-Profiliga mit dem größten Legionärs-Anteil:  62,4 Prozent der Spieler haben laut der Datenbank des Webportals transfermarkt.at (Stand Mitte Mai 2012) eine ausländische Staatsbürgerschaft. In absoluten Zahlen sind 349 von 559 Spieler Ausländer. Die meisten Fußball-Profis kommen aus einem Nachbarland: 31 Iren sind in der Premier League aktiv, vor den Franzosen (28), den Schotten (24), den Walisern (22) und den Spaniern (19). Als erstes nicht-europäisches Land folgt Brasilien mit 14 Spielern.

 

Die weiteren Ligen mit den höchsten Legionärs-Anteil: Zypern (61,2 Prozent), Portugal (55,0 Prozent) sowie Deutschland. In der Bundesliga unseres Nachbarlandes sind 49,3 Prozent bzw. 257 von 521 ausländische Profis unter Vertrag. Nach Brasilien (18 Fußballer) ist Österreich für die Bundesliga-Klubs das wichtigste „Importland“ – 16 österreichische Staatsbürger sind derzeit bei deutschen Vereinen unter Vertrag.

 

Österreichs Bundesliga auf Platz 28

Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen sah sich die Situation der heimischen Bundesliga an: Österreich weist einen Anteil von 27,2 Prozent Ausländer vor und landet damit im Legionärs-Ranking der Ligen auf Platz 28, ein paar Plätze hinter den Europameisterschafts-Ausrichtern Ukraine (19. Platz/ 34, 8 Prozent) und Polen (23. Platz/30,3 Prozent Ausländer):

 

  Liga Ausländer-Anteil
1. England 62,4
2. Zypern 60,5
3. Portugal 55,0
4. Deutschland 49,3
5. Schottland 48,7
6. Luxemburg 48,5
7. Italien 47,8
8. Belgien 46,4
9. Russland 46,3
10. USA 44,5
   
19. Ukraine 34,8
   
23. Polen 30,2
   
28. Österreich 27,2

Ausländer-Anteil in der obersten Liga (Stand Ende Mai 2012) Quelle: transfermarkt.at, eigene Berechnungen /eigene Darstellung

 

Vor allem Deutsche, Spanier und Kroaten

In Österreichs höchster Spielklasse haben 73 der 268 Profis einen ausländischen Pass. Die meisten ausländischen Spieler in der österreichischen Bundesliga kommen aus Deutschland (9 Spieler), Spanien (8) und Kroatien (6). Durchschnittlich teilen sich sieben „Legionäre“ auf jeden Verein auf, der durchschnittliche Marktwert liegt bei 481.343 Euro (in der englischen Premier League 6.077.415 Euro).

 

Salzburg ist dabei nicht nur sportlich derzeit das Maß aller Dinge in Österreich, sondern hat auch bei den internationalen Spielern die Nase vorn: 17 ausländische Profis waren in der Saison 2011/2012 engagiert, beim sportlichen Zweiten in der abgelaufenen Saison, dem SK Rapid Wien, nur vier. Dem Absteiger Kapfenberg halfen auch die zwölf ausländischen Profis nichts.

 

Verein „Legionäre“
RB Salzburg 17
SV Kapfenberg 12
Sturm Graz 8
Innsbruck 6
Mattersburg 6
Ried 6
Admira Wacker 5
Austria Wien 5
Rapid Wien 4
Wiener Neustadt 4

 Quelle: transfermarkt.at / eigene Darstellung

 

Zwischen 1945 und 2005 1.111 „Legionäre“

Eine etwas weiter zurückreichende Erhebung führten die WissenschafterInnen Barbara Liegl und Georg Spitaler für ihr 2008 erschienenes Buch „Legionäre am Ball – Migration im österreichischen Fußball nach 1945“ durch. Unter Einbeziehung verschiedener Quellen sammelten sie nicht nur Daten zu ausländischen Kickern in der obersten österreichischen Liga seit 1945, sondern auch der sogenannten Zweiten Generation. Zwar betonen die AutorInnen im Buch, dass die Zahlen keinen Anspruch auf Vollständigkeit besitzen, es gibt aber wohl keine andere, so umfassende Darstellung in Österreich.

 

Liegl und Spitaler erfassten im Zeitraum zwischen 1945 und 2005 1.111 Spieler mit einer ausländischen Herkunft. Bei 1.033 stellten sie ein anderes Herkunftsland als Österreich fest, bei 65 handelte es sich um Vertreter der Zweiten Generation, bei 13 um sogenannte Volksdeutsche (nach Definition des Buches Angehörige von deutschsprachigen Minderheiten, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Nachfolgestaaten der österr.-ungar. Monarchie zugewandert sind).

 

Deutlich wird durch die gesammelten Daten, dass traditionell osteuropäische Staaten die Herkunftsländer der in Österreich Spielenden „Legionäre“ darstellten:

 

 

Herkunft in der obersten österreichischen Liga spielenden „Legionäre“ 1945/46-2005/06. Quelle: „Legionäre am Ball“

 

Asiatische Spieler lange Seltenheit

Wie die folgende Grafik zeigt, kamen die ersten außer-europäischen Fußballer erst nach 1961. Zwischen 1991 (41 Legionäre) und 2001 (112) stieg die Zahl am deutlichsten. Zu einem gewissen Grad spiegelte das Bild der Spieler mit ausländischer Herkunft meist die gesellschaftliche Situation wieder, wie man an der Gegenüberstellung der Zahlen der EinwohnerInnen ausländischer Herkunft mit denen der „Legionäre“ sieht. Allerdings gilt das vor allem für die Herkunftsregionen Nachbarländer plus Osteuropa:

 

EinwohnerInnen nach Herkunft im Vergleich zu Fußballer nach Herkunft (Prozent, Gesamtzahlen absolut). Quelle: Legionäre am Ball

 

„Legionäre“ als Torgaranten

Auch auf interessante Teilaspekte machen Spitaler und Liegl aufmerksam: So lag mit Ausnahme zweier Perioden in der Nachkriegszeit die durchschnittliche Anzahl der erzielten Tore von „Legionären“ immer über der Anzahl der durchschnittlichen Spieler-Tore insgesamt:

 

Quelle: „Legionäre am Ball“

 

 

Mit Wolfgang Gayer, Johnny Bjerregaard, Wolfgang Breuer, Bozo Bakoto, Tibor Nyilasi, Zoran Stojadinovic, Vaclav Danek, Nikola Jurcevic, Souleyman Sane, Rene Wagner, Geir Frigaard, Radolslaw Gilewicz und Alexander Zickler konnten sich einige „Legionäre“ in die Liste der Torschützenkönige eintragen.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Statistik des Fußball-Portals transfermarkt.de

 

„Legionäre am Ball -Migration im österreichischen Fußball nach 1945“ ist im Braumüller Verlag erschienen

 

Die Politikwissenschafterin Barbara Liegl war Geschäftsführerin von ZARA und gehört nun zum Team des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte; barbara.liegl@univie.ac.at

 

Der Politikwissenschafter Georg Spitaler beschäftigt sich sowohl forschend als auch als Redakteur des Fußballmagazins ballesterer immer wieder mit dem Thema Fußball; georg.spitaler@univie.ac.at

 

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