- Einfacherer Zugang zu Informationen bereits im Herkunftsland
- Senkung der Klassenschülerzahlen und Erhöhung des Lehrerpersonals
- Wichtigste MigrantInnensprachen als Gegenstand in Schulen
- Angebot von Berufs- und tätigkeitsbezogenen Deutschkursen
- Förderung von ethnischen Unternehmen
Die aktuelle Studie “Migration und Integration” des Beirats der Sozialpartner zeigt Herausforderungen, Lösungsmöglichkeiten und Chancen bei der Zuwanderung auf. Die Studie konzentriert sich auf die Bereiche “Integrationsbegleitung”, “Bildung”, “Arbeitsmarkt” und “Migration”.
Integrationsbegleitung
Im Jahr 2009 steht Österreich mit einem MigrantInnenanteil von 17,8 Prozent (1,468 Millionen Personen) auf dem Niveau klassischer Einwanderungsländer wie die USA oder Kanada. (im Jahr 2010 lag der Anteil bei 18,6 Prozent; siehe Artikel der MSNÖ: “1,543 Mio. Menschen haben Migrationshintergrund”)
Entscheidend für die Sozialpartner ist die Integrationsbegleitung bereits ab dem Beginn des Zuwanderungsprozesses. Handlungsfelder bestehen in den Bereichen Information, betriebliche Integration und im Bereich soziales Umfeld. Die Studie empfiehlt:
Angebote vor der Einreise:
• Rasch auffindbare Homepage, das alle für Zuwandernde relevanten Informationen zumindest auf Deutsch und Englisch enthält
• Information über Angebote zum Spracherwerb in den Herkunftsländern
Angebote unmittelbar nach der Einreise:
• Spracherwerb
• Angebote für gesellschaftliche und berufliche Orientierung
• Informationen über Institutionen und soziales Leben in Österreich
• Schaffung von Host-Programmen, bei denen Freiwillige mit und ohne Migrationshintergrund Neuankömmlingen helfen, sich zurechtzufinden, an Gemeindeaktivitäten teilzunehmen oder erste Kontakte in ihrer Berufssparte zu knüpfen (vgl. Mentoring für MigrantInnen)
Angebote für Personen, die sich bereits länger in Österreich aufhalten:
• Niederschwellige Service- und Beratungsstellen
• Orte schaffen, die allen Gruppen (insbesondere Jugendlichen und jungen Erwachsenen) nicht nur formal offen stehen, sondern auch genützt werden
• Integration in lokale Institutionen (Freiwillige Feuerwehr, Kirchenchor …)
• Erarbeitung regionaler Integrationskonzepte
• Förderung von Good Practice Modellen, vor allem zur Integration auf betrieblicher Ebene
Bildung
27 Prozent aller Kindergartenkinder hatten im Jahr 2009 eine andere Erstsprache als Deutsch. Zur selben Zeit waren es bei SchülerInnen 17,6 Prozent. Der Anteil war besonders hoch in Sonderschulen: 27,8 Prozent. 14,1 Prozent der AHS-SchülerInnen hatten hingegen eine andere Erstsprache als Deutsch. Die Sozialpartner verweisen auf Ergebnisse der PISA-Studie, die zeigen, dass Kinder mit Migrationshintergrund schlechtere Leseleistungen aufweisen als Kinder ohne Migrationshintergrund.
Empfehlungen:
• Mittelfristige Ausweitung des gebührenfreien Zugangs zu Kinderbildungseinrichtungen (Kinderkrippen, Kindergärten) in allen Bundesländern.
• Senkung der Klassenschülerzahlen oder Erhöhung des Lehrpersonals in Klassen mit mehr als 50 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund.
• Verlagerung der Ausbildung von KindergartenpädagogInnen in den tertiären Bereich.
• Anreize und konkrete Unterstützung für Personen mit Migrationshintergrund, Kindergartenpädagogik bzw. Lehramtsstudien zu absolvieren.
• Bundesweiter Ausbau der Sprachstandsfeststellungen vor Schulbeginn für alle Kinder und geeignete Sprachfördermaßnahmen.
• Recht auf muttersprachlichen Unterricht in allen Schularten.
• Die wichtigsten MigrantInnensprachen sollten als zweite Fremdsprachen geführt werden.
• Verpflichtende Standards für MuttersprachelehrerInnen im Bereich „Deutschkenntnisse“ und „Integration“ sowie Qualifizierung und Aufbaukurse für muttersprachliche Lehrkräfte.
• Wechselseitige Durchlässigkeit zwischen Lehre und Schule (zwischen dualer Ausbildung und Berufsbildender mittlerer/höherer Schulen). AbbrecherInnen von BMHSen müssen in eine Lehre einsteigen können (Anrechnung der Lehrjahre bei QuereinsteigerInnnen), und umgekehrt müssen Lehrlinge auch in eine BMHS einsteigen können.
• Ausbau und Weiterentwicklung innovativer und alternativer Ausbildungsmodelle und Lernformen für Jugendliche, deren Bedürfnisse mit traditionellen Bildungsangeboten bislang nicht ausreichend abgedeckt werden konnten (Übergangsmanagement).
• Berufsorientierung als eigener Gegenstand sowie spezielle Beratungsangebote für Jugendliche mit Migrationshintergrund.
• Maßnahmen zur Einbeziehung der Eltern seitens der Schulen und Kindergärten: Integration des Themas Interkulturelle Elternarbeit in das Curriculum der Grundausbildung der Pädagogischen Hochschule für alle PädagogInnen und in der Weiterbildung als Lehrgang Interkulturelle Elternarbeit.
• Verpflichtende Implementierung von Interkulturellem Lernen in der LehrerInnenaus- und -weiterbildung.
• „Hauptschulabschluss NEU“ in Analogie zur Berufsreifeprüfung.
• Nachholen von schulischen Abschlüssen und Alphabetisierung/Basisbildung ohne Gebühren: Die öffentliche Hand muss das bereits erarbeitete Fördermodell ab 2011 umsetzen.
Arbeitsmarkt
Laut der Beiratsstudie unterscheidet sich die Erwerbstätigenquote sehr stark nach Herkunft und Geschlecht. Bei Männern aus der EU-15 liegt sie bei 81,0 Prozent, aus Ex-Jugoslawien bei 80,3 Prozent und bei jenen aus Österreich bei 79,3 Prozent. Bei Frauen aus der Türkei (40,7 Prozent) und sonstigen Drittstaaten (49,1 Prozent) ist die Erwerbstätigenquote dagegen sehr niedrig. MigrantInnen sind häufig in saisonal geprägten Wirtschaftssektoren und Berufsgruppen sowie überproportional als Hilfsarbeitskräfte und in Handwerksberufen beschäftigt. (Daten, Fakten und Zahlen der MSNÖ zu Dequalifizierung von MigrantInnen am österreichischen Arbeitsmarkt unter: “Studie: MigrantInnen am Arbeitsmarkt benachteiligt”, “Dequalifizierung von MigrantInnen am Arbeitsmarkt”)
Handlungsfelder sehen die Sozialpartner in der Überwindung der Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Bildungssystem. Vor allem jene Jugendlichen, die nur einen Teil der Bildung in Österreich absolviert haben, stehen schlechter da.
Empfehlungen:
- Berufs- und tätigkeitsbezogene Deutschkurse sollen Personen in die Hand gegeben werden, damit sie schneller in Arbeitsmarkt einsteigen kann.
- Bildungsplan: Berufsorientierung und Berufsinformation, duale Lehrausbildung, Unterstützung bei der Anerkennung und besseren Verwertung von Ausbildungen. Personen sollen Referenzen am Arbeitsmarkt erwerben können.
- Verstärkte Unterstützung von ethnischen Unternehmen.
- Die Studie verweist auf Entwicklungspotenzial in der strategischen Verankerung des Diversity Managements im Bereich der Personalpolitik des AMS .
Migration
Die Nettozuwanderung im Jahr 2009 fiel um 40 Prozent niedriger aus als noch im Jahr 2008. Betrug der Wanderungssaldo 2008 noch +34.436 Personen waren es ein Jahr später +20.596. Der Rückgang des Wanderungsgewinns ist insbesondere auf einen starken Anstieg der Wegzüge in das Ausland zurückzuführen. Die Top drei der Zuwandernden waren Deutsche (+7.168 Personen), RumänInnen (+3.354) und UngarInnen (+1.909). Knapp die Hälfte (48 Prozent) der ZuwanderInnen aus der EU stammten aus den seit 2004 beigetretenen zwölf Staaten. Der Trend der rückläufigen Wanderung aus Nicht-EU-Staaten setzte sich 2009 fort.
Zur Steuerung von Zuwanderung wurde die Rot-weiß-rot-Karte ab 1. Juli 2011 installiert. (Daten und Fakten der MSNÖ zur Rot-weiß-rot-Karte unter: “Österreich bekommt neues Zuwanderungssystem”)
Beiratsstudie der Sozialpartner: “Migration und Integration” abrufbar in der iBibliothek.
Petra Medek, Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse; Tel: 05 90 900 4599, petra.medek@wko.at
Nani Kauer, ÖGB-Kommunikation, Tel: 01 53 444 39261, 0664 6145 915
Ute Bösinger, AK Wien Kommunikation, Tel: 01 501 65-2779, ute.boesinger@akwien.at
Josef Siffert, LK-Pressestelle, Tel: 01/53441-8521, j.siffert@lk-oe.at
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