Factbox
- Zwischen 20.000 und 25.000 bekennen sich hierzulande zum Buddhismus
- Formal registriert sind allerdings nur 3.000 Gemeinschaftsmitglieder
- Offizielle Vertretung verzeichnet jährlich 7,0 bis 8,0 Prozent Zuwachs
- BuddhistInnen 1983 staatlich anerkannt
- Dalai Lama hoher Vertreter des tibetischen Buddhismus
- Vesakh-Fest zu Ehren Buddhas ist die wichtigste Feier der BuddhistInnen
Der Dalai Lama weilt von 17. bis 27. Mai in Österreich. Die tibetische Community ist sehr übersichtlich: Laut der Tibeter Gemeinschaft Österreich leben knapp 300 TibeterInnen hierzulande. BuddhistInnen gibt es laut Schätzungen zwischen 20.000 und 25.000 und teilen sich auf verschiedene Richtungen – darunter die tibetische – auf. Viele BuddhistInnen sind nicht offiziell als solche registriert: die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft (ÖBR) zählt ca. 3.000 Mitglieder. Den überwiegenden Großteil davon machen autochthone ÖsterreicherInnen aus, viele BuddhistInnen mit asiatischem Migrationshintergrund melden sich nicht bei der ÖBR.
Der Dalai Lama und Österreich
Die bekannte Persönlichkeit wird sich in Kärnten, Salzburg und Wien aufhalten. Neben einem Besuch eines Tibetzentrums wird der Dalai Lama Vorträge geben und will VertreterInnen aus Politik, Religion und Wissenschaft treffen, darunter auch den Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz.
Der gegenwärtige Dalai Lama (im bürgerlichen Namen Tendzin Gyatsho) hat mehrfach Österreich-Bezug: Sowohl Bergsteiger und Tibet-Reisender Heinrich Harrer, als auch Hermann Gmeiner, “Vater” der SOS-Kinderdörfer, sowie Kardinal Franz König waren für ihn wichtige Personen. Der erste Europäer, der im 17. Jahrhundert nach Lhasa, also in die Hauptstadt der Region Tibet kam, war ein Österreicher, und zwar der Jesuit Johann Gruber.
Die buddhistische Gemeinschaft
Exaktere Zahlen über die Größe der Religionsgemeinschaft lieferte die Volkszählung 2001: Damals gab es laut Statistik Austria 10.402 BuddhistInnen, davon hatten 5.774 eine österreichische, und 4.628 eine ausländische Staatsbürgerschaft. Der Ausländer-Anteil von 44,5 Prozent lag deutlich über dem Anteil bei KatholikInnen und ProtestantInnen, aber unter dem Anteil bei MuslimInnen (71,7 Prozent) und Hindus (50,7 Prozent).
Aktuell nur Schätzungen möglich
Verbände gehen aktuell von weit mehr als 3.000 BuddistInnen in Österreich aus: Der Dachverband für Diamantweg-Buddhismus in Österreich (einer buddhistischen Tradition) schätzt die Zahl der BuddhistInnen hierzulande auf rund 20.000 BuddistInnen. Die ÖBR rechnet mit rund 25.000.
Gerade BuddhistInnen mit einem asiatischen Hintergrund melden sich oft nicht bei der ÖBR an, wodurch sie offiziell als BuddhistInnen registriert wären. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass in vielen asiatischen Ländern keine formale Organisation nötig ist: Buddhist ist, wer in den örtlichen Tempel geht oder einfach in seinen eigenen vier Wänden den Glauben praktiziert bzw. sich zur Lehre bekennt. Westliche Religionsgesetze verlangen nach der Installierung von VertreterInnen der Gemeinden, wodurch sich Organisations-Strukturen herausbildeten.
Seit 50 Jahren in Österreich aktiv
Die BuddhistInnen wurden 1983 als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt. Österreich war dabei der erste Staat in Europa, der diesen Schritt machte.
Erstmals konkret mit der über 2.500 alten religiösen Tradition beschäftigt haben sich wohl österreichische Asien-Reisende (v.a. Missionare) im 17. und 18. Jahrhundert, wobei hierzu wenig dokumentiert ist. Laut ÖBR sind BuddhistInnen in Österreich (und anderen mitteleuropäischen Staaten) seit etwa 50 Jahren aktiv.
Steigendes Interesse
Aktuell scheint das Interesse am Buddhismus, der heute vor allem in Ost- und Südost-Asien eine wichtige Rolle spielt, zu wachsen. Die ÖBR verzeichnete in den vergangenen Jahren einen Mitglieder-Zuwachs zwischen sieben und acht Prozent im Jahr (rund 200 Anträge mehr pro Jahr in absoluten Zahlen).
Mittlerweile gliedert sich die ÖBR in 27 Gruppen (je nach Ausrichtung und Tradition) und bietet die Gesellschaft auch Religionsunterricht an.
Große Vesakh-Feier in Wien
Die Gemeinde der BuddhistInnen feiert dieses Jahr im Mai Vesakh, das wichtigste Fest im Buddhismus. Beim Vesakh-Fest wird Buddhas Geburt, Erleuchtung und Tod gefeiert. Nach „westlicher Datierung” fällt das Vesakh-Fest auf den ersten Vollmondtag im Mai. Allerdings können die Feier-Termine je nach Region und Gemeinde von Anfang Mai bis Mitte Juni variieren. 2012 zelebrierten in Österreich die Gemeinden in Linz und Salzburg Vesakh am 6. Mai.
In Wien wird am 27. Mai bei der Friedenspagode am Handelskai (einer der wenigen auffälligen buddhistischen Gebäude in Österreich) eine größere Veranstaltung organisiert – zwischen 150 und 200 BesucherInnen werden erwartet. In Anwesenheit von VertreterInnen asiatischer Staaten wird gemeinsam gebetet und und es werden Speisen aus unterschiedlichen asiatischen Kulturen verzehrt. Ein Kinderprogramm und ein „Buddhismus-Quiz“ unterstreichen den ausgelassenen Charakter der Veranstaltung.
Jedes Jahr setzt sich die buddhistische Gemeinde in Österreich mit einem buddhistischen Land in Asien auseinander: 2012 dreht sich alles um die Mongolei. Auch bei der Vesakh-Feier in Wien wird dem Rechnung getragen: so wird eine mongolische Band spielen und ein mongolischer Meister der Zeremonie beiwohnen.
Weiterführende Informationen und Kontakte:
Der Artikel wurde am 3. Mai 2012 anlässlich der Vesakh-Feiern erstmals veröffentlicht und am 15. Mai aktualisiert.
Programm-Übersicht des Dalai Lama-Besuchs
Das Büro der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR) hilft gerne bei Anfragen weiter und ist auch gut mit den asiatischen Communitys unter den BuddhistInnen Österreichs vernetzt: office@buddhismus-austria.at; Tel.: 01/5123719
Website der Tibeter Gemeinschaft in Österreich
Website des Internationalen Instituts für Höhere Tibetische Studien in Hüttenberg/Kärnten
Informationen über den Buddhismus in Österreich auf der Website der ÖBR
Zahlen und Fakten zu Buddhismus in Österreich von Karma Kagyü Österreich (KKÖ), dem Dachverband für Diamantweg-Buddhismus in Österreich. 0699 11 64 74 47 (Pressehandy); info@kkoe.at bzw. presse@kkoe.at
Bericht über die Religionen Österreichs des Bundeskanzleramts
Infos über die Friedenspagode Wien
Fo Guang Shan (angesiedelt im 15. Wiener Gemeindebezirk) ist ein Beispiel einer buddhistischen Gruppe, die starken Bezug zur ihren asiatischen (konkret taiwanesischen) Wurzeln hat. Infos auf der Website der ÖBR
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