Champions-League-Finale: Österreichische Fakten

Factbox

  • Zwischen 9.000 und 10.000 BritInnen leben in Österreich
  • Rund 154.000 deutsche StaasbürgerInnen hierzulande gemeldet
  • Auch in Pubs immer mehr Anhänger deutscher Fußball-Klubs
  • 64 österreichische Bayern-Fanclubs registriert
  • Österreichs Fußballgeschichte stark durch England beeinflusst

 

Wenn am 19. Mai der FC Bayern München im Heimstadion gegen den Chelsea FC aus London um den Champions League-Titel kämpft, fiebern auch hierzulande – trotz des Fehlens des Österreichers David Alaba (Bayern) – viele Leute mit: 153.491 deutsche Staatsangehörige leben laut Statistik Austria in Österreich, 203.846 Personen gaben Anfang 2012 Deutschland als ihr Geburtsland an – und viele davon sind Bayern-Fans. Die britische Community umfasst zwischen 9.000 und 10.000 Menschen.

 

Ein kurzer Rundruf der Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) in Wien ergab, dass aufgrund der großen Zahl an Bayern München-AnhängerInnen hierzulande selbst in Lokalen mit einem England-Bezug mit einer großen Unterstützung für den deutschen Klub zu rechnen ist.

 

64 Bayern-Fanklubs in Österreich

Der FC Bayern muss sich weder in finanzieller Hinsicht (Umsatz 2010/2011: 328,5 Mio. €) noch bezüglich der Anhängerschaft vor der Konkurrenz von der „Insel“ verstecken: Nicht nur viele der 26.897 deutschen Studierenden an österreichischen Universitäten (Wintersemester 2011) und rund 154.000 der deutschen StaatsbürgerInnen sind Bayern-Fans, sondern hierzulande gibt es zudem 64 Bayern-Fanklubs, die sich von Lustenau bis Eisenstadt über das ganze Land verteilen. Das Interesse an der deutschen Bundesliga ist in Österreich hoch und hat auch mit den dort aktiven österreichischen Profispielern zu tun. 

 

2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
75.262 78.227 83.592 91.194 100.439 109.193 119.807 130.684 138.225 146.392 153.491

Deutsche Staatsangehörige in Österreich 2002-2012 (Stichtag: 1. Jänner 2012); Quelle: Statistik Austria

 

Ö ges. Bgld Ktn Slbg Stmk Tirol Vlbg Wien
153.491 2.796 10.081 16.236 19.855 16.054 13.303 27.494 13.387 34.285

Deutsche StaatsbürgerInnen nach Bundesländern (Stichtag 1. Jänner 2012); Quelle: Statistik Austria

 

Ö ges. Bgld Ktn Slbg Stmk Tirol Vlbg Wien
203.846 3.633 13.885 22.287 29.737 21.118 18.883 34.255 16.930 43.118

Menschen mit Geburtsland Deutschland nach Bundesländern (Stichtag 1. Jänner 2012); Quelle: Statistik Austria

 

BritInnen zahlenmäßig deutlich unterlegen

Die britische Community in Österreich ist deutlich kleiner als jene unseres nördlichen Nachbarlandes: Anfang 2012 waren 9.245 britische Staatsangehörige in Österreich gemeldet. Knapp über 10.000 Menschen gaben ihr Geburtsland mit Großbritannien an. Neben Wien und Niederösterreich leben relativ viele BritInnen in Tirol:

 

Ö ges. Bgld Ktn Slbg Stmk Tirol Vlbg Wien
10.070 156 582 1.326 785 988 883 1.457 289 3.604

Geburtsland Großbritannien und Nordirland (Stichtag: 1. Jänner 2012); Quelle: Statistik Austria

 

 

Ö ges. Bgld Ktn Slbg Stmk Tirol Vlbg Wien
9.245 121 561 1.099 642 879 815 1.317 252 3.559

Britische Staatsangehörige in Österreich (Stichtag: 1. Jänner 2012); Quelle: Statistik Austria

 

Treffpunkt Pub

Verfolgen werden die BritInnen in Österreich die wichtigste Partie des Jahres im Klubfußball vor allem in Pubs, wobei sie dabei nicht zu „patriotisch“ auswählen: In Wien sind etwa auch Irish Pubs wie das Billy’s Bones, das Charlie P’s oder das laut Selbstdefinition „interationale Pub Shebeen beliebte Treffpunkte. Organisiert sind AnhängerInnen von englischen (oder anderen britischen) Vereinen hierzulande kaum.

 

Bedenken muss man, dass nicht alle BritInnen Chelsea die Daumen drücken werden. Gerade zwischen den Lokalrivalen Chelsea, FC Arsenal und Tottenham Hotspur sowie mit den derzeit tonangebenden Klubs aus Manchester (City und United) bestehen traditionelle und innig gelebte Rivalitäten. Der eine oder andere Fan dieser Klubs wird auf einen Bayern-Sieg hoffen.

 

Premier League – eine globalisierte Liga

Das Publikum und die Verteilung der Unterstützung britischer Fußballklubs ist in jeglicher Hinsicht in den meisten größeren Pubs bunt gemischt. Seit der Bekanntheitsgrad der englischen Premier League in den vergangenen zehn bis 15 Jahren weltweit immer größer wurde, wuchs das Interesse der österreichischen Fußball-Fans. So trifft man heutzutage bei einer Live-Übertragung eines Matches neben britischen des Öfteren einheimische Kleingruppen, die im Dress die englischen Vereine unterstützen.

 

Hinter dem Interesse steckt nicht nur das hohe Tempo und die Attraktivität des englischen Fußballspiels: 1992 wurde die Premier League gegründet. Ein Marketing-Konzept und hohe Einnahmen durch die mediale Vermarktung der Live-Berichterstattung exklusiv via Pay-TV sollte dazu beitragen, dass die höchste englische Spielklasse den anderen europäischen Top-Ligen nicht mehr nachhinkt. Der Plan ging auf, nicht zuletzt in finanzieller und werbetechnischer Hinsicht: Heutzutage wird die „globalisierte“ Liga auf jedem Kontinent der Welt verfolgt (v.a. Asien stellt einen wichtigen Markt für die englischen Klubs dar. Laut einem Ranking des Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte befanden sich in der Saison 2010/2011 unter den Top 15 der umsatzstärksten Fußballklubs weltweit sechs englische (Deutschland: zwei).

 

Heute Deutschland, einst Großbritannien

Blicken österreichische Fußballinteressierte heute oft und gern in die deutsche Bundesliga, grenzte man sich während der Anfangszeit des Fußballsports in Österreich vom nördlichen Nachbarland ab – vielmehr waren Spieler wie Publikum Großbritannien zugewandt.

 

Wie in vielen Ländern waren es auch in Österreich englische Arbeiter, Studenten und Kaufleute, die den Sport ins Land brachten: Der offizielle Name des meist kurz „Vienna“ genannten „First Vienna Football Club“, dem ersten Wiener Fußballverein (1894 gegründet), zeugt noch von Spuren dieser Pioniere. In den damaligen Vereine fanden sich ursprünglich v.a. Engländer zusammen. Die Vienna war der erste Klub, bei dem auch Wiener Funktionäre und Spieler bald eine Rolle spielten. 

 

Bis heute Spuren geblieben

Laut Kulturwissenschafter und Fußballfan Roman Horak war der britische Einfluss auf Österreich „erheblich“ und ist bis heute spürbar: Bezeichnungen wie „Gol“ (von Englisch „goal“), Hands (Handspiel) oder Corner (Eckstoß) sind geblieben. In Deutschland habe es früh eine Phase der Eindeutschung der Begrifflichkeiten gegeben. Als Rivalen auf dem internationalen politischen Parkett hätte sich die damalige preußische Monarchie anfangs prinzipiell gegen den neuen Sport aus dem Vereinigten Königreich gewährt, so Horak. Aus der Zeit der Jahrhundertwende sind Hetzschriften überliefert, in denen Fußball als „Fußlümmelei“ und „englische Krankheit“ abgetan wird (siehe auch Info-Box unten).

 

In der Fußballfan-Kultur war Österreich ebenso lange von England geprägt, diese glich Vorbildern in London, Liverpool oder Manchester. Erst ab den 1980er-Jahren verdrängte die vorwiegend aus Italien kommende „Ultra“-Kultur den Stil.

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Statistik Austria; Pressestelle, Tel.: 01/71128-7777 und -7767, presse@statistik.gv.at

 

Deutsche Botschaft; Pressereferat, Tel.: 01/ 71154 115, pr-101-dip@wien.auswaertiges-amt.de

 

Botschaft von Großbritannien und Nordirland, Presse Officer Matthias Klettermayer, Tel.: +43 (0)1 71613 6241, matthias.klettermayer@fco.gov.uk

 

Roman Horak, Universität für Angewandte Kunst, Tel.: 01 / 711 332 777, roman.horak@uni-ak.ac.at

 

Eine Liste der FC Bayern München-Fanklubs in Österreich ist auf der FCB-Website zu finden bzw. liegt der MSNÖ vor.

 

Presse-Abteilung des FC Bayern München, +49 89 699 31-7400, media@fcb.de

 

Media-Center Chelsea FC  

 

Liste austro-britischer Vereine auf der Website der britischen Botschaft

 

Jockel Weichert ist Gründer der “Piefke Connection”, einer Gruppe für Deutsche in Österreich; office@buzzdriver.net

 

Luckabar; Deutsche Sportbar, Eggerthgasse 10, 1060 Wien Tel.: 0681 2068 6927

 

Othmar Bajlicz, der Geschäftsführer und Gründer des Wiener Gürtellokals „Chelsea“ mit Fußballvergangenheit, benannte das Lokal nicht zuletzt wegen des Londoner Stadtteils und des Fußballklubs so. Das Angebot, Matches live im TV anzusehen, nutzen mittlerweile nicht nur eingefleischte Chelsea- und Manchester United-Supporter, sondern auch viele Deutsche und SpanierInnen; Tel.: 01 / 59 62 929 (Mo-Fr 14-18h), chelsea@sil.at

 

Das „Duke“ in 1070 Wien ist zwar nicht von BritInnen gegründet, laut Eigendefinition aber ein englisches Pub. Hier schauen regelmäßig vor allem einheimische Premier League-Interessierte sowie vermehrt Bayern-Fans.
 
Fußball-Verein-Ranking „Money League
 
Anti-Fußball Hetz-Schrift „Fußlümmelei“ (v. Karl Planck)
 
 
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