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Frauen aufgrund ihrer Herkunft mehrfach belastet

Factbox:

  • Etwa 800.000 Migrantinnen leben in Österreich
  • Mütter ausländischer Herkunft bringen mehr Kinder zur Welt
  • Situation von Migrantinnen am Arbeitsmarkt deutlisch schlechter
  • Migrantinnen nutzen Gesundheitsvorsorge deutlich weniger
  • Spezielle Probleme sind u.a. häusliche Gewalt und Frauenhandel

 

Etwa 800.000 Migrantinnen leben in Österreich. 753.200 Frauen haben eine ausländische Herkunft, rund 460.000 Frauen besitzen eine nicht-österreichische Staatbürgerschaft (mehr Infos dazu siehe Artikel: „800.000 Migrantinnen leben in Österreich“). Anlässlich des Muttertages hat die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) die Situation von Migrantinnen und Ausländerinnen in einigen wichtigen Bereichen wie Gesundheit, Arbeitsmarkt und Bildung näher beleuchtet.

 

Gesundheit, Familie, Kinder

Migrantinnen nutzen die Vorteile des Gesundheitssystem weniger als Frauen ohne Migrationshintergrund – vor allem Frauen mit türkischer und ex-jugoslawischer Herkunft nehmen deutlich weniger oft Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch. Während 76 Prozent der autochthonen Österreicherinnen im Alter von 40 Jahren plus einen Krebsabstrich durchführen, sind es bei den Frauen aus Ex-Jugoslawien (ohne Slowenien) oder der Türkei nur 32 Prozent. 76 Prozent der Österreicherinnen in dieser Altersgruppe haben sich einer Mammografie unterzogen, aber nur 55 Prozent der Migrantinnen, heißt es im Bericht “Femigration & Integration” des Österreichischen Integrationfonds (ÖIF) und der Statistik Austria (2011).

 

Autochthone Österreicherinnen heirateten 2010 zum ersten Mal mit knapp 30 Jahren. Frauen aus den vor 2004 beigetretenen EU-Staaten waren bei der ersten Eheschließung mit rund 31 Jahren etwas älter, jene anderer Herkunft jünger: Frauen aus Ex-Jugoslawien (ohne Slowenien) heirateten mit etwa 24 Jahren, Türkinnen mit 22 Jahren.

 

Mütter ausländischer Herkunft brachten mehr Kinder zur Welt als jene österreichischer Herkunft, und zwar im Schnitt 2,0 (Mütter österreichischr Herkunft 1,3). Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien (ohne Slowenien) bekamen im Schnitt 1,9 Kinder, jene aus der Türkei 2,4. Eingebürgerte Migrantinnen brachten im Schnitt 1,5 Kinder und damit weniger Kinder als Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit (2,0 Kinder) zur Welt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durchschnittliche Kinderanzahl pro Frau 2010 nach Staatsangehörigkeit/Geburtsland der Mutter; Quelle: Bericht des Österreichischen Integrationsfonds “Femigration & Integration”, Statistik Austria

 

Arbeitsmarkt: Oft überqualifiziert, weniger Verdienst

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist für Migrantinnen schwierig. Sind 66 Prozent aller Frauen in Österreich (Jahr 2010) erwerbstätig, waren es bei Frauen mit Migrationshintergrund 59 Prozent (Frauen ohne Migrationshintergrund: 68 Prozent).

 

Hier zeigen sich wieder, betrachtet man die Herkunftsländer, deutliche Unterschiede: 65 Prozent der Frauen aus EU-/EWR-Staaten (plus Schweiz) waren beruflich aktiv, 62 Prozent der Frauen aus Ex-Jugoslawien (außer Slowenien), 41 Prozent der Frauen türkischer Herkunft (sonstige Staaten: 56 Prozent). Die Arbeitslosenquote ist bei ausländischen Staatsbürgerinnen mit 9,2 Prozent höher als bei Österreicherinnen (5,9 Prozent).

 

Laut einer Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung (2008) fühlten sich 28 Prozent der Beschäftigten mit Migrationshintergrund überqualifiziert, dabei besonders Frauen, von denen 32 Prozent damals angaben, überqualifiziert zu sein. 2010 hatte die Branche Unternehmensdienstleistungen den höchsten Anteil an Arbeitnehmerinnen mit Migrationshintergrund (46,1 Prozent). Dieser Bereich beinhaltet unter anderem Gebäudereinigung und Leiharbeit. In den Bereichen Tourismus und Gastronomie gab es einen Migrantinnen-Anteil von 32,2 Prozent. Wenig vertreten sind Migrantinnen in der öffentlichen Verwaltung (10,2 Prozent), im Finanz- und Versicherungswesen (9,5 Prozent) und in der Land- und Forstwirtschaft (5,1 Prozent).

 

Im Jahr 2009 verdienten Österreicherinnen rund 18.000 Euro netto (männliche Österreicher rund 25.900 Euro). Männliche Ausländer (rund 20.500 Euro) verdienten mehr als Österreicherinnen, Ausländerinnen verdienten im Schnitt nur 14.900 Euro. Der Unterschied zwischen Frauen mit Wurzeln in der EU und jenen mit zum Beispiel türkischem Hintergrund ist dabei wieder groß: Ausländerinnen aus dem “alten” EU-Raum (Beitrittsländer bis 1995) verdienten mehr als Österreicherinnen, Türkinnen hingegen nur 12.500 Euro im Jahr.

 

Schule & Bildung: Deutliche Unterschiede

Deutliche Unterschiede gibt es bei Migrantinnen verschiedener Herkunftsregionen die Bildung betreffend: 73 Prozent der türkischen und 48 Prozent der ex-jugoslawischen Migrantinnen verfügen nur über einen Pflichtschulabschluss. Insgesamt, nicht zuletzt durch die Frauen aus EU-Staaten, ist die Zahl der Frauen mit akademischer Ausbildung bei den Migrantinnen aber höher (18 Prozent), als bei jenen ohne Migrationshintergrund (15 Prozent). Matura können 37 Prozent vorweisen.

 

Der Anteil der Frauen, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, sank: Bei Migrantinnen der Ersten Generation waren es noch 36 Prozent, bei jenen der Zweiten Generation 26 Prozent. Der Anteil der Berufs- und Fachhochschul-Absolventinnen hingegen stieg in der Zweiten Generation von 27 auf 45 Prozent.

 

Die Aufteilung auf die einzelnen Schultypen: An Sonderschulen hatten 30 Prozent der Schülerinnen eine andere Umgangssprache als Deutsch, an den Neuen Mittelschulen 28 Prozent, an Allgemeinen Höheren Schulen 15 Prozent und an Berufsschulen 9,0 Prozent.

 

Gründe für Mehrfachbelastung

Der von Bundeskanzleramt herausgegebene “Migrantinnen Bericht 2007″ sieht eine dreifache Belastung von Migrantinnen: Erstens dadurch, dass auch in der österreichischen Gesellschaft Frauen benachteiligt seien, zweitens durch eine Benachteiligung aufgrund der ausländischen Staatsbürgerschaft oder Zugehörigkeit. Drittens müssten viele Frauen, vor allem muslimische, einen Spagat zwischen traditionsbewusster Frauenrolle und moderner Kultur schaffen.

 

Besonders Frauen in eher traditionellen Familienstrukturen müssten laut der Analyse mit Mehrfachbelastung kämpfen: Neben einer höheren Kinderzahl in der Familie hätten ausländische Staatsangehörige etwa seltener die Möglichkeit, jemanden für die Betreuung der Kinder zu engagieren, als österreichische Staatsangehörige. 

 

Spezielle Probleme: Von häuslicher Gewalt…

Der Bericht, der von AutorInnen rund um den Wissenschafter Heinz Fassmann verfasst wurde, beschäftigt sich zudem mit speziellen Themen: Häusliche Gewalt zum Beispiel sei ein Problem, dass in jeder Bevölkerungsgruppe vorkommt, aber betroffene Migrantinnen hätten es wiederum besonders schwer, Unterstützung zu bekommen. Sprachliche Barrieren und der Umstand, dass viele Migrantinnen von ihren Männern abhängen (etwa finanziell oder in Hinblick auf den Aufenthaltsstatus), könnten verhindern, dass die Betroffenen Hilfe bekommen bzw. überhaupt Hilfe suchen.

 

… bis zu Frauenhandel und FGM

Schätzungen der Friedrich-Ebert-Stiftung zu Folge werden mit Menschenhandel in der EU jährlich rund zehn Milliarden Euro verdient, mehr als 90 Prozent davon mit Frauen und Kindern. Laut Amnesty International werden 500.000 Mädchen und junge Frauen pro Jahr nach Westeuropa “geliefert”, wo sie für Heiratszwecke oder als Prostituierte verkauft werden. Auch hier verhindert oft ein Abhängigkeitsverhältnis einen Ausstieg aus dem System.

 

Ebenso eine Herausforderung der besonderen Art ist der Kampf gegen die Genitalverstümmelung FGM (Female Genital Mutilation). Der Bericht aus 2007 weist darauf hin, dass FGM auch in Europa zur Anwendung kommt. Exakte Zahlen, wie viele Frauen davon in Österreich betroffen sind, gäbe es nicht. Schätzungen würden von rund 8.000 Betroffenen ausgehen (500.000 für ganz Europa), so die Studie von Fassmann & Ko.

 

19 Projekte sollen Abhilfe schaffen

Das Staatssekretariat für Integration will die Defizite in den verschiedenen Bereichen bekämpfen. Nach Angaben des Staatssekretariats wurde ein Frauen-Schwerpunktprogramm initiiert, mit dem 19 Projekte mit einem Fördervolumen von insgesamt 0,8 Mio. Euro unterstützt werden.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Der Artikel wurde am 6. März 2012 anlässlich des Internationalen Frauentages (8. März) erstmals veröffentlicht und am 11. Mai aktualisiert.

 

Der ÖIF-Bericht “Femigration & Integration” in der iBibliothek

 

Ursula Schallaböck vom Integrationsfonds; Tel.: 01/710 12 03 134; ursula.schallaboeck@integrationsfonds.at

 

Der “Migrantinnenbericht 2007″ in der iBibliothek

 

Staatssekratariat für Integration

 

Sabine Schöffthaler ist die Leiterin von Habibi, dem “Haus der Bildung und der beruflichen Integration”; Tel.: o1/751051110, sabine.schoeffthaler@integrationsfonds.at

 

Die Gleichbehandlungsanwaltschaft kämpft u.a. für die Gleichstellung von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt sowie für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der ethnischen Zugehörigkeit in sonstigen Bereichen; Tel. 01/5322868

 

Frauenratgeber der Bundesministerin für Frauen und Öffentlicher Dienst

 

WUZ (Wir Unternehmen Zukunft) ist ein Frauenverein für Integration, Bildung und Kultur, der Frauen, Kinder und Familien mit serbischen, kroatischen und bosnischen Migrationshintergrund unterstützt und fördert.

 

Weitere Beispiele für Frauenberatungsvereine, die sich Migrantinnen widmen:

 

Verein LEFÖ; Tel.: 01/ 581 18 81 14; office@lefoe.at

 

FEM-Süd, das Gesundheitszentrum für Frauen, Eltern und Mädchen in Wien-Favoriten, bietet Gesundheitsberatung für Frauen aus von FGM betroffenen Ländern sowie generelle Beratung auf Arabisch, Englisch und Französisch an.

 

Beratungszentrum Peregrina

 

Steirischer Verein Freiraum; Tel.: 03452 20 200




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