Armenische Community in Österreich

Factbox

  • Schätzung: 7.000 Personen mit armenischem Migrationshintergrund
  • Für Parlamentswahlen am 6. Mai keine Stimmabgabe in Österreich möglich
  • Geringe Schwankungen bei der Anzahl der Einbürgerungen
  • Wanderungssaldo der Community war 2010 negativ
  • Immer mehr ArmenierInnen studieren in Österreich
  • Sehr aktive Community mit mehreren Vereinen und Organisationen 

 

2.837 Menschen armenischer Herkunft leben laut Statistik Austria (Stichtag: 01.01.2011) in Österreich. Davon sind die meisten in Wien (715) und in Niederösterreich (560) zu finden, gefolgt von Oberösterreich (428), der Steiermark (416), Tirol (206), Salzburg (162), Kärnten (147), Vorarlberg (132) und Burgenland (71).

 

Der Diaspora zufolge haben viel mehr Menschen armenischen Migrationshintergrund. Wie die Armenisch-Apostolischen Kirchengemeinde schätzt, haben etwa 7.000 Menschen armenische Wurzeln, alleine in Wien 3.000 Personen. 

 

Stichtag 01.01.2011

Österreich

Bgld

Ktn

Slbg

Stmk

Tirol

Vlbg

Wien

Geburtsland (ARM+Ö)

2.549

62

134

490

371

143

339

195

120

695

Geburtsland (Ö)

178

5

47

5

1

13

8

99

Staatsbürgerschaft

2.659

71

142

513

423

161

403

198

132

616

ausländischer Herkunft

2.837

71

147

560

428

162

416

206

132

715

Quelle: Statistik Austria; Anmerkung: Personen ausländischer Herkunft ergeben sich aus ÖsterreicherInnen mit einem ausländischen Geburtsort plus Personen mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft.

 

Armenien wählt – keine Stimmabgabe in Österreich möglich

Armenien wählt am 6. Mai 2012 ein neues Parlament. Für den Urnengang stehen in Österreich keine Wahllokale zur Verfügung, teilte die Botschaft auf Anfrage der Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) mit.

 

Nach der letzten Parlamentswahl im Februar 2008 kam es zu tagelangen Protesten von OppositionsanhängerInnen gegen Präsident Serzh Sargsyan (Sersch Sarkisian). Die Proteste entluden sich Anfang März 2008 in gewaltsamen Zusammenstößen zwischen DemonstrantInnen und der Polizei, in deren Verlauf zehn Menschen getötet wurden. 

 

Einbürgerungen und Wanderungssaldo

2011 (26 Eingebürgerte) stieg die Zahl der Einbürgerungen leicht an. In den Jahren zuvor wurden jeweils zehn bis maximal 21 ArmenierInnen eingebürgert.

 

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

10

13

21

15

21

10

13

17

13

17

26

Quelle: Statistik Austria

 

In den Jahren von 2007 bis 2009 ist das Wanderungssaldo stetig gesunken. 2010 war es sogar negativ, nachdem 203 ArmenierInnen zu- und 276 weggezogen sind.

 

 

2007

2008

2009

2010

Zuzüge

343

276

244

203

Wegzüge

108

178

188

276

Saldo

235

98

56

-73

Quelle: Statistik Austria

 

Asylanträge

Armenien war von 2002 (2.038 Anträge) bis 2009 (440) nach Angaben des Innenministeriums fast durchgehend (nicht allerdings in den Jahren 2004 und 2005) unter den zehn antragsstärksten Nationen. Seit 2010 – als die Zahl der Asylanträge stark gesunken war – gehört Armenien nicht mehr zu den zehn antragsstärksten Nationen.

 

 

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

Anträge

2.038

1.098

414

516

350

405

360

440

278

224

positiv

10

26

29

26

100

135

105

44

22

30

negativ

205

126

70

43

125

196

353

617

741

636

sonstige

1.684

154

44

91

52

61

35

50

26

Quelle: Bundesministerium für Inneres; Anmerkung: „sonstige“ Erledigungen fassen die Kategorien „Einstellung“, „Gegenstandslos“, „Zurückweisung“ und „Zurückziehung“ zusammen.

 

Erste ArmenierInnen hierzulande vor allem Kaufleute

Die ersten ArmenierInnen kamen im 16. Jahrhundert hauptsächlich als Kaufleute im Dienst der Habsburger nach Österreich. Während des Zweiten Weltkrieges verringerte sich die Zahl der ArmenierInnen in Wien. Nach dem Krieg stieg die Anzahl langsam wieder an.

 

Ein wichtiger Grund für die Einwanderung der ArmenierInnen nach Wien machen der Österreichisch-Armenischen Kulturgesellschaft zufolge die 1811 nach Wien geflohenen Mechitaristen Patres (armenisch-katholische Mönche) aus. Laut einem historischen Reisedokument soll stehen, dass 1876 etwa 80  bis 85 armenische Familien in Wien und Umgebung lebten. Davon sollen 20 bis 25 Familien aus Ungarn, 15 aus Polen, 30 aus Moldawien und der Türkei, 15 aus Russland gekommen sein.

 

Religion: Armenisch-Apostolische Kirche seit 1972 anerkannt

Die Mehrheit der ArmenierInnen gehört der Armenisch-Apostolischen Kirche an. In Österreich wurde die Armenisch-Apostolische Kirche als Religionsgemeinschaft im Jahr 1972 anerkannt. Heute ist die armenische Kirche in mehr als 70 Staaten vertreten. Die größten Diözesen befinden sich in den USA und in Russland, gefolgt von Frankreich und Georgien. Armenien war das erste Land, in dem das Christentum (im Jahr 301) als Staatsreligion anerkannt wurde.

 

Mehrheit der Studierenden Frauen

Die Zahl der Studierenden an den öffentlichen Universitäten steigt. 2011 (84) gab es fast viermal so viele armenische Studierende wie im Jahr 2000 (22).  Von den 84 Studierenden im Jahr 2011 waren 73,8 Prozent Frauen und 26,2 Prozent Männer. Die höhere Anzahl von Frauen sei auch bei österreichischen Studierenden armenischer Herkunft sichtbar, sagte Silvia Baghramian, die seit sechs Jahren bei der Armenisch-Apostolischen Kirchengemeinde tätig ist, der MSNÖ. Die armenische Gemeinde vergibt Stipendien an Studierende.

 

 

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

Universität

(öffentlich)

22

28

26

33

41

54

60

57

74

79

77

84

Universität

(privat)

1

2

3

3

Fachhochschule

0

1

1

2

0

3

5

Quelle: Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung

 

Vereine

Die „Apostolische, Orthodoxe, Heilige Kirche der Armenier“ (auch „Armenisch-Apostolische Kirchengemeinde“ oder „Armenisch-Orthodoxe Kirche“ genannt) befindet sich im 3. Wiener Bezirk. Dabei ist die Hovhannes Schiraz Samstags-Schule, die den in Wien lebenden Kindern armenischer Herkunft u.a. Sprachunterricht in Armenisch anbietet, nur eine der vielen österreichisch-armenischen Vereine. Folgende Vereine gehören noch zur Armenisch-Apostolischen Kirchengemeinde:

  • Elternverein der Hovhannes Shiraz Schule (Samstagsschule)
  • Damenkomitee
  • Österreichisch-Armenische Kulturgesellschaft
  • Allgemeiner Armenischer Wohltätigkeitsverein
  • Österreichisch-Armenische Studiengesellschaft
  • Armenischer Sportverein Ararat
  • Armenische Studenten-Vereinigung
  • Armenischer Allgemeiner Sport-Pfadfinderverein
  • Nor Serunt/ Neue Generation
  • Armenien Fond Österreich-Komitee
  • Verein zur Unterstützung des österreichischen Kinderspitals in Gjumry/Armenien

 

Eine weitere bedeutende armenische Gemeinschaft macht die Wiener Mechitaristen-Kongregation aus, deren Kloster im 7. Wiener Gemeindebezirk steht. Der Österreichisch-Armenischen Kulturgemeinschaft zufolge ist diese Kongregation eine der bedeutendsten Säulen des armenischen Volkes. Die Mechitaristen in Wien leiten u.a. die umfangreichste Bibliothek an armenischer Literatur und führen ein Museum. 

 

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