Bis zu 10.000 Sikhs feiern Vaisakhi

 

 Factbox

  • Sikh-Gemeinde: 8.000 bis 10.000 Sikhs leben in Österreich
  • Die Glaubensgemeinschaft hat fünf Tempel
  • Vaisakhi: Beginn der Erntezeit und Geburtstag der Khalsa-Gemeinschaft
  • Heiliges Buch „Guru Granth Sahib“ als Guru verehrt
  • Abspaltung der Ravidassia nach Attentat in Wien  

 

8.000 bis bis 10.000 Gläubige des Sikhismus leben nach Schätzungen in Österreich. Etwa die Hälfte davon hat in Wien den Lebensmittelpunkt, wie die österreichische Sikh-Gemeinde auf Anfrage der Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) mitteilte.

 

Die ersten Sikhs kamen Anfang der 1980er Jahre nach Österreich. 2.794 Sikhs wurden hierzulande bei der Volkszählung 2001 gezählt – als die Statistik Austria zum letzten Mal Religionsbekenntnisse erhob. Etwa die Hälfte davon hatte die österreichische Staatsbürgerschaft. Die Gemeinde stellt in Klagenfurt, Linz, Salzburg und zweimal in Wien insgesamt fünf Tempel.

 

Vaisakhi – Das Fest der Sikhs

Am 13. April steigt mit Vaisakhi das größte Fest der Sikhs. An diesem Tag wird der Beginn der Erntezeit und der Geburtstag der Khalsa-Gemeinschaft gefeiert. Die Gläubigen kleiden sich neu ein und jeder Tempel (Gurdwara) erhält ein neues Nishan Sahib (orangene Flagge der Sikhs). 

 

Der Sikhismus ist eine monotheistische Religion, die von Guru Nanak (1469-1539) gegründet wurde und von der Einheit der Schöpfung ausgeht. Jeder Mensch hat nach dem Verständnis der Sikhs dieselben Rechte – unabhängig von Kaste, Glaubensbekenntnis, Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht. Die meisten Sikhs leben im indischen Bundesstaat Punjab, wo sich in Amritsar mit dem Goldenen Tempel das religiöse Zentrum befindet. Die Glaubensrichtung hat heute über 20 Millionen Anhänger.

 

Mit dem zehnten Guru nach Nanak, Gobind Singh, endete die Tradition der menschlichen Gurus. Seit dem Tod des Guru (1708) wird das heilige Buch „Guru Granth Sahib“ als „elfter und lebender Guru“ verehrt. Es enthält Aussprüche und Lehren der Sikh-Gurus und von anderen anerkannten spirituellen Lehrern. Guru Gobind Singh gründete an Vaishakhi im Jahr 1699 die Khalsa-Gemeinschaft, die das Erbe in „menschlicher Form“ fortsetzen soll.

 

Die fünf „K“-Regeln

Die Gemeinschaft wird durch die männlichen Singhs und weiblichen Kaurs repräsentiert. Um zu diesem Kreis zu gehören, muss man sich dem Amrit-Ritual unterziehen, bei dem mindestens fünf Sikhs anwesend sein müssen. Danach ist man verpflichtet, nach den drei Säulen “Naam Japo” (Fokus auf Gott), “Kirat Karni” (ehrenwerte Lebensführung nach den Regeln der Sikhs) und “Wand kay Shako” (Teilen mit anderen) zu leben.

 

Weiters gelten für Sikhs die fünf “K”-Regeln. Sie besagen, dass sich Sikhs an allen Körperteilen die Haare wachsen lassen (Kesh), immer einen Kamm (Kangha) im Haar als Symbol der Sauberkeit tragen, einen Dolch (Kirpan) zur Verteidigung der Armen und Schwachen bei sich haben, spezielle Unterhosen (Kachera) zur sexuellen Mäßigung und ein Armband aus Eisen (Kara) als Ausdruck zur Verpflichtung der Wahrheit tragen. Sikh-Männer tragen zudem einen Turban (Dastaar). 

 

Die Verehrung noch lebender religiöser Führer als Gurus und das Vorlesen aus dem „Guru Granth Sahib“ durch Nichtorthodoxe wird von orthodoxen Sikhs strikt abgelehnt und als Beleidigung aufgefasst. 

 

Ravidassia spalteten sich ab 

Am 24. Mai 2009 kam es in Wien zu einem Anschlag innerhalb der Sikh-Gemeinde, bei dem die zwei spirituellen Ravidassia-Führer Sant Rama Nand und Sant Niranjan Dass getötet bzw. schwer verletzt wurden. Dem Motiv der Täter unterlagen unterschiedliche Anschauungen in der Religionsauslegung der Sikhs. Neben dem „Guru Granth Sahib“ verehrte die Ravidassia-Gemeinde auch ihre spirituellen Führer. Dies stellte für strenggläubige Sikhs eine „Provokation“ ihres Glaubensverständnisses und eine Herabwürdigung des Heiligen Buches dar.

 

Äußerlich unterscheiden sich die Ravidassia von den Sikhs. Sie tragen keine langen Bärte und Turbane und lehnen das Tragen des Krummsäbels ab. Weiters werden die fünf „K“-Regeln nicht als dogmatisch betrachtet. Nach dem Vorfall im Mai 2009 spalteten sich die Ravidassia Anfang 2010 von den Sikhs ab, um fortan als eigene Religionsgemeinschaft zu bestehen. Starken Zulauf erhält die Religionsgemeinde von den Dalits, die als Unberührbare am unteren Ende des Kastensystems zu finden sind. Der wichtigste Feiertag der Community ist der Geburtstag von Satguru Ravidass Ji, welcher nach dem Bikramikalender berechnet wird und das nächste Mal am 25. Februar 2013 stattfindet.

 

Einige europäische Länder haben die Ravidassia als Religionsgemeinschaft anerkannt. In Österreich ist dem nicht so. Laut dem Präsidenten des Shri Guru Ravidass Sabha Tempels in Wien, Balvinder Kumar, leben etwa 4.000 bis 5.000 Ravidassia in Österreich. Es gibt zwei Tempel in Wien, die insgesamt etwa 300 Mitglieder haben.

 

 

 Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Gurdwara Singh Sabha Tempel; GurdwaraSinghSabha@gmx.at

 

Gurdwara Guru Nanak Parkash Tempel; GuruNanakDevJi@gmx.at

 

Gursharan Singh Mangat, Kenner der Sikh-Community

 

Gemeinschaft der Sikh in Österreich; office@sikh.at

 

Shri Guru Ravidass Sabha Tempel 

 

United Ravidassia Community

 

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