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MigrantInnen in Österreich besonders unerwünscht

Factbox

    • 67.774 Personen in Europa zu Werten befragt
    • Österreich bei Migration „Antipathie-Spitzenreiter“
    • Negative Einstellung stieg vor allem im vergangenen Jahrzehnt
    • Auch „Minoritäten“ und „Randgruppen“ stark unerwünscht
    • WissenschafterInnen sehen wichtige Rolle von Politik und Medien

 

ÖsterreicherInnen hegen im europäischen Vergleich die größte Antipathie gegenüber MigrantInnen. Das ergab eine Studie der Politikwissenschafterin Sieglinde Rosenberger und des Statistikers Gilg Seeber, die als Teil der Europäischen Wertestudie im Herbst 2011 präsentiert wurde. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen fasst die wichtigsten Aussagen und Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

 

Die Europäische Wertestudie (European Value Study), die von einem internationalen AutorInnenteam durchgeführt wird, bietet einen Überblick über Langzeitentwicklungen der Wertelandschaft in Österreich und anderen europäischen Ländern. Für den bereits vierten Teil der Studie wurden in 45 Ländern repräsentative Befragungen durchgeführt: 67.774 Personen konnten zu 136 Fragen Stellung beziehen. Eine davon widmete sich der Einstellung MigrantInnen gegenüber.

 

Der sogenannte Antipathie-Index von Rosenberger und Seeber wird basierend auf Daten aus der Wertestudie aus der Zahl der Nennungen von als Nachbarn unerwünschte Personengruppen errechnet. Konkret wurden Menschen gefragt, welche Personengruppen sie sich nicht als Nachbarn wünschen. Unter MigrantInnen wurden dabei in der Studie „Menschen anderer Hautfarbe, Muslime und Zuwanderer/Gastarbeiter“ verstanden.

 

Antipathie nahm in Österreich am meisten zu

Österreich liegt dabei bei dieser Fragestellung klar an erster Stelle, gefolgt von Italien, Finnland und den Niederlanden. Über den Zeitraum 1999 bis 2008 nahm die Antipathie laut Index in Österreich zudem am deutlichsten zu. 1999 lag Österreich noch im Mittelfeld der „Antipathielandschaft“. Zwischen 1990 und 1999 war ein leichter Rückgang zu beobachten. Besonders deutlich zu Tage trat die Antipathie gegenüber Einwanderern im Jahr 2008.

 

Auch Minoritäten und Randgruppen unerwünscht

Neben MigrantInnen wurde zudem nach „Minoritäten“, „Randgruppen“ und „Links- & Rechtsextreme“ gefragt. Ergebnis: Auch die Ablehnung gegenüber Minoritäten sowie gegenüber Randgruppen ist in Österreich sehr hoch: Bei der Frage nach der negativen Einstellung zu Minoritäten (laut Definition in der Studie „MigrantInnen, Juden und Romani“) liegt Österreich an zweiter Stelle, bei der Ablehnung von Randgruppen („Leute, die oft betrunken sind; psychisch instabile Personen; AIDS-Kranke und Drogenabhängige“) ist Österreich europaweit Vierter.

 

Die WissenschafterInnen Rosenberger und Seeber betonen im Text der Werte-Studie-Publikation: „Unterstrichen wird dieses Bild der deklarierten Antipathie dadurch, dass in Österreich im Vergleich mit den westeuropäischen Demokratien der höchste Unerwünschtheitswert bei allen drei MigantInnen-Gruppen zu finden ist – gegenüber Zugewanderten/ausländischen ArbeiterInnen, Muslimen und Menschen anderer Hautfarbe“.

 

Rosenberger und Seeber stellen für Österreich eine hohe Unerwünschtheit von MuslimInnen als Nachbarn fest. In Frankreich ist dieser Wert trotz Kopftuch- und Burkadebatten, wie die WissenschafterInnen betonen, niedrig.

 

Die Studie ermittelte auch sogenannte Einstellungsnachbarn: Länder, in denen die Befragten ähnlich zu den österreichischen TeilnehmerInnen antworteten. Bei Österreich waren das: Italien und Finnland bei der Unerwünschtheit von MigrantInnen, Finnland und Deutschland bei der Unerwünschtheit von MuslimInnen und Italien und Griechenland bei der Unerwünschtheit von Minoritäten.

 

Politik und Medien als mögliche Faktoren

Die WissenschafterInnen weisen darauf hin, dass es laut Untersuchung keinen Zusammenhang zwischen der Zustimmung zur Aussage „zu viele Zugewanderte“ und der Anzahl der Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft gibt – und zwar in keinem Land. „Aus diesem Nicht-Zusammenhang ist (…) der Schluss zu ziehen, dass die Politisierung durch Parteien und Medien ein wichtiger Erklärungsfaktor sein dürfte“, heißt es in der Wertestudie-Publikation.

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Details zur Werte-Studie auf der Website der Katholisch-Theologischen Fakultät

 

Herausgeberin der Wertestudie 2011 ist Regina Polak von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Wien; Tel.:  +43 664 602 77 31907, regina.polak@univie.ac.at

 

Christian Friesl, Bereichsleister Gesellschaftspolitik der Industriellenvereinigung, zeichnete sich für die Publikation der Werte-Studie 2009 mitverantwortlich; Tel.: +43 1 711 35 22 30, c.friesl@iv-net.at

 

Sieglinde Rosenberger von der Universität Wien; Tel.: Tel. +43 1 4277 47715,  sieglinde.rosenberger@univie.ac.at

 

Gilg Seeber, Universität Innsbruck; Tel.: +43 512 507 7049, gilg.seeber@uibk.ac.at

 

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