Öffentlicher Dienst: 7,5 Prozent MigrantInnen

Factbox

  • Statistik Austria: 20.800 Personen oder 7,5 Prozent haben Migrationshintergrund
  • Der Frauenanteil überwiegt
  • In absoluten Zahlen gehört der Großteil der Ersten Generation an
  • Ewa 17.700 AusländerInnen in Verwaltung tätig
  • Zahl der MigrantInnen in der Wiener Polizei steigt

 

Geschätzte 20.800 von 278.400 Beschäftigten haben im österreichischen öffentlichen Dienst im Jahr 2010 laut einer Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria Migrationshintergrund gehabt. Das entspricht einem Anteil von 7,5 Prozent (der Anteil der MigrantInnen an der Gesamtbevölkerung beträgt 18,6 Prozent). Demnach hatten von 124.900 Frauen 12.700 (10,2 Prozent) und von 153.600 Männern 8.100 (5,7 Prozent) Migrationshintergrund.

Die Statistik Austria definiert Personen, die im Ausland geboren wurden, als MigrantInnen der Ersten Generation. Im Fall, dass beide Elternteile im Ausland geboren wurden, spricht man von der Zweiten Generation. Die Zuordnung zum öffentlichen Dienst erfolgte bei der Befragung nach eigener Auskunft. Bei mehr als einer Beschäftigung pro Person kann daher eine Verzerrung der Statistik nicht ausgeschlossen werden.

Laut dem Bundesministerium für Öffentlichen Dienst gab es im Jahr 2010 unter den BeamtInnen rund 350.000 Vollzeitkräfte. 132.804 sind im Bund, 142.798 in den Ländern und 74.922 in Gemeinden. Rechnet man Teilzeitbeschäftigte dazu, sind insgesamt mehr als 400.000 Personen im öffentlichen Dienst tätig. Nach Auskunft von Josef Stadler, Zuständiger für Mitgliederevidenz bei der Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GÖD), liegen der GÖD keine Informationen zum Migrationshintergrund ihrer Mitglieder vor.

Mehr Frauen, aber kaum Führungskräfte

Der Großteil der BeamtInnen entfällt laut Statistik Austria auf die Erste Generation. 15.100 BeamtInnen der ersten stehen 5.700 BeamtInnen der Zweiten Generation gegenüber. Letztere Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu betrachten, weil die Stichprobe relativ klein ist. Nach Geschlecht unterschieden stehen 10.100 Beamtinnen 5.100 Beamten der Ersten Generation gegenüber. Für die Zweite Generation gibt es keine nach Geschlecht unterschiedenen Zahlen.

Im Statistischen Jahrbuch 2011 des Integrationsfonds werden die Beschäftigungsformen von MigrantInnen näher beleuchtet. Drei Prozent der MigrantInnen der Ersten Generation sind demnach BeamtInnen oder Vertragsbedienstete. In der zweiten Zuwanderergeneration sind dies bereits 7,6 Prozent. Die Daten stammen ebenfalls aus der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2010.

Unter den Führungskräften im öffentlichen Dienst haben fünf Prozent einen Migrationshintergrund. Das ergibt der Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Oberösterreich von Juli 2011.

Knapp 17.700 AusländerInnen in Verwaltung, Verteidiung und Sozialversicherung

Zu den MigrantInnen im öffentlichen Dienst gibt es wenig empirisches Wissen, sagt die Grundlagenreferentin für Integration und Migration der MA 17, Theodora Manolakos. Personaldaten würden höchstens nach Staatsbürgerschaft geführt und seien auch nicht immer zugänglich. Sie kann allerdings darauf verweisen, dass im Jahr 2010 von 451.278 AusländerInnen 17.675 in der österreichischen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung tätig waren. Davon sind 11.845 BeamtInnen und Angestellte (8.483 Frauen und 3.362 Männern).

 

Manolakos führt weiters an, dass für die Verrichtung sogenannter hoheitlicher Aufgaben im öffentlichen Dienst die österreichische Staatsbürgerschaft nötig ist. Darüber hinaus sind arbeits- und aufenthaltsrechtliche Aspekte zu bedenken, wenn man keine EU-Staatsbürgerschaft hat.

Mehr MigrantInnen in Wiener Polizei

2007 startete die Wiener Polizei mit der Kampagne „Wien braucht dich“, die gezielt Menschen mit Migrationshintergrund anspricht. Ähnliche Initiativen sind in den anderen Bundesländern bereits angelaufen.

In Wiener Polizeiinspektionen arbeiten bereits fünf Mal so viele MigrantInnen wie vor 2007. Über 100 PolizistInnen mit Migrationshintergrund aus insgesamt 28 Staaten sind derzeit im Außendienst tätig, teilte Manfred Ihle von der Abteilung für Personal- und Stabsangelegenheiten der Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen mit. Vor vier Jahren betrug der Anteil der PolizeischülerInnen mit Migrationshintergrund 1,0 Prozent. Mittlerweile sind es etwa 7,0 Prozent. Die Wiener Polizei wolle bewusst die Potenziale und Zusatzfähigkeiten von MigrantInnen, wie vor allem kulturelles Hintergrundwissen und Sprachkenntnisse, nützen, betont Ihle.

Der Österreichische Städtebund fordert ebenso eine verstärkte Einbindung von Zugewanderten in die Verwaltung und Blaulichtorganisationen. Für Linz wird eine verstärkte Einbindung von MigrantInnen etwa in der städtischen Kinderbetreuung oder in Abteilungen und Betrieben der Stadt mit starkem Kundenkontakt gefordert.

Einige Maßnahmen und Forderungen auf Bundesebene

Aus dem Integrationsbericht 2011 des Staatssekretariats für Integration sind umgesetzte und aktuelle Maßnahmen bekannt, die auf eine stärkere Einbindung von MigrantInnen in die Verwaltung abzielen.

 

Das Bundeskanzleramt schlüsselt hier die gezielte Anwerbung von Gemeindebediensteten mit Migrationshintergrund ab 2011 auf. Das Finanzministerium möchte verstärkt MitarbeiterInnen mit Migrationshintergrund einbinden, um seine Serviceleistungen zu verbessern. Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz gibt an, mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds MigrantInnen gezielt in die Verwaltung bringen zu wollen. Das soll durch die Förderung von Projekten erreicht werden.

Der Expertenrat des Staatssekretariats für Integration empfiehlt in seinem 20-Punkte-Programm im Integrationsbericht 2011 eine verstärkte Beschäftigung von Migrantinnen im öffentlichen Dienst. Besonders hervorgehoben werden Mangelberufe im Gesundheits- und Pflegebereich. Auch die Kindergarten- und Schulpädagogik wird genannt. Hier gebe es vergleichsweise wenige Migrantinnen, obwohl sie für den Anstieg an Kindern mit Migrationshintergrund und die „Alterung“ der Gesellschaft immer bedeutender werden.

Der öffentliche Sektor biete Migrantinnen die Möglichkeit der Beschäftigungsaufnahme in Kombination mit gezielten Bildungsmaßnahmen. Dazu zählt der Expertenrat etwa die Ausbildung zur Polizistin, Tätigkeiten in öffentlichen Spitälern, Pflegeheimen und Kindergärten. Um die Hürden der Aufnahmsprüfungen besser überwinden zu können, fordert der Expertenrat Schulungen und Förderunterricht.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Den gesamten Integrationsbericht 2011 können Sie in unserer iBibliothek downloaden

 

Bettina Stadler, Direktion Bevölkerung Statistik Austria; bettina.stadler@statistik.gv.at, Tel.: 01/71128-7076

 

Theodora Manolakos, Grundlagenreferentin für Integration und Migration der MA 17; theodora.manolakos@wien.gv.at, Tel.: 01/4000-81516

 

Gabriele Philipp, Sprecherin von Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger; gabriele.philipp@wien.gv.at, Tel.: 01/4000-81295

 

Heinz Fassmann, Vorsitzender Expertenrat für Integration; heinz.fassmann@univie.ac.at

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