Diskriminierungen von MigrantInnen im Sport

Factbox

    • Ethnische Minderheiten im Skisport laut FRA zu wenig vorhanden
    • Im Fußball Spiegel der Gesellschaft eher gegeben
    • Kaum Funktionäre mit ausländischen Wurzeln
    • Verlässliche Instrumente, um rassistische Vorfälle zu registrieren, fehlen
    • Nur ein Bruchteil wird registriert

 

Im österreichischen Fußball sind Menschen mit Migrationshintergrund eher ihrem Anteil entsprechend repräsentiert, als im zweiten „Volkssport“ Skifahren. Die Europäische Menschenrechtsagentur FRA sammelte zwischen 2003 und 2008 EU-weit Daten und Fakten zu „Rassismus, ethnische Diskriminierung und soziale Ausgrenzung im Sport“ (2010) und verglich die Situationen in den verschiedenen Staaten.

Wegen der Schwierigkeit, an Daten zu gelangen, und aufgrund der Breite des Themas, konzentrierte sich das Forschungsprojekt dabei vor allem auf den größten Sport am Kontinent: Fußball. Zudem wurden je nach Land weitere Nationalsportarten analysiert. Im Fall von Österreich nahm man sich zusätzlich den Skisport vor. Und der Bericht zum Forschungsprojekt macht eine Diskrepanz zwischen Fußball und Skisport hierzulande deutlich.

Ausländer-Anteil im Fußball eher „entsprechend“

Basiernd auf eine Umfrage von über 2.100 österreichischen Fußballklubs, die FRA heranzog, sind rund elf Prozent der Fußballer Ausländer (für exaktere und aktuellere Zahlen siehe Artikel). Das, so der Bericht, entspreche in etwa dem Anteil der Ausländer an der Bevölkerung, der 2004 bei 9,5 Prozent lag. Bei den Fußballerinnen liegt dieser Anteil bei circa vier Prozent und damit unter dem gesellschaftlichen Anteil.

Der Anteil der Klub-Mitglieder, die nicht aktiv Fußball spielen, war zu diesem Zeitpunkt unter einem Prozent. Circa fünf Prozent der Vollzeit- und zwei Prozent der Halbtags-Angestellten waren AusländerInnen.

Skisport „kulturell konstruiert“

Was den Skisport betrifft, seien in Österreich (genauso wie in Slowenien) ethnische Minderheiten abwesend, so der FRA-Bericht. Der Skisport werde „kulturell konstruiert“, und zwar als ein Spielfeld von „echten Österreichern“ von alpiner „Authentizität“, die eng mit dem Nationalcharakter verbunden ist. Zudem konstatiert der Bericht, dass es keine Anti-Rassismus-Regelungen im Skisport in Österreich gibt.

Große Defizite beim Monitoring von Vorfällen

Die Menschenrechtsagentur trägt im Bericht zudem rassistische Vorfälle in den europäischen Ländern aus den Meldungen von staatlichen Institutionen, Sportverbänden und NGOs zusammen. Dabei wird betont, dass – obwohl in einigen Staaten Monitoring-Systeme bestehen – ein Ausbau der Möglichkeiten, Daten zu sammeln, notwendig ist. Auch die involvierten österreichischen ForscherInnen weisen darauf hin, dass eine entscheidende Aussage des FRA-Berichts ist, dass es keine verlässlichen Instrumente für ein Monitoring rassistischer Zwischenfälle hierzulande gibt.

Allerdings: Selbst in den Ländern mit funktionierendem Monitoring wird nur ein Bruchteil registriert. In den Niederlanden etwa schätzt man, dass nur fünf Prozent der Menschen, die Opfer eines rassistischen Vorfalls geworden sind, diesen bei der zuständigen Anti-Diskriminierungsstelle melden.

 

Schwierige Datenlage

Dementsprechend vorsichtig sind auch Zahlen zum Thema zu betrachten. Nach dem FRA-Bericht wurden demnach im österreichischen Profifußball zwischen 2003 und 2008 auf und neben dem Platz 26 rassistische Vorfälle gemeldet. Die meisten derartigen Probleme wurden in den Niederlanden gezählt (418 Fälle: dabei handelt es sich um die Zahl für den gesamten Sport- und Freizeit-Bereich und mit dem oben erwähnten fortgeschritteneren Monitoring-System), gefolgt von Polen (97), Frankreich (70) und Spanien (57). Kaum Zwischenfälle wurden in diesem Zeitraum in Portugal (4), Malta (2) und Estland (1) gezählt.

Zu Formen von Antisemitismus kam es laut FRA-Bericht in Frankreich (5), Österreich (3) und Belgien (2). Auch bei der Kategorie Rechtsextremismus taucht Österreich (zwei Fälle) neben Belgien (3) und Italien (1) auf. Dazu wurden sieben Zwischenfälle hierzulande der Kategorie zugeordnet, die verschiedene Formen von Diskriminierung vereint (Estland 3).

Zweite Studie liefert 76 Vorfälle

Eine größere Zahl, die allerdings ebenso wenig als repräsentativ gelten kann, liefert der Österreich-Bericht der Studie „Preventing racism, xenophobia and related intolerance in sport across the European Union“ von ZARA und dem Ludwig Boltzmann-Institut für Menschenrechte. Wie im transnationalen FRA-bericht wurde der Zeitraum 2003 bis 2008 unter die Lupe genommen und dabei ingesamt 76 rassistische Vorfälle in Verbindung mit Sport zusammengetragen. Miteinbezogen wurden dabei auch Geschehnisse außerhalb von Stadien, wie rassistische Gesänge von Fußballfans auf öffentlichen Plätzen. Die Daten dieses Berichts basieren dabei auf den Registrierungen von Vorfällen bei folgenden Organisationen/Stellen: Fairplay, Innenministerium, Zentrum für Sportangelenheiten, ZARA und Uefa.

Von Ethnozentrismus und Nationalismus sind laut FRA-Bericht auf österreichischen Plätzen vor allem Menschen aus der Türkei oder mit türkischen Migrationshintergrund betroffen. In Österreich, Zypern, Deutschland und Portugal versuchen demnach rassistische und xenophobe Extremisten, Fußball-Fanklubs zu infiltrieren.

Maßnahmen nötig

Neben verstärktem Monitoring von Rassismus im Sport sieht die Menschenrechtsagentur mehr Bewusstseinbildung für die Auseinandersetzung mit dem Thema Diskriminerung in den nationalen Regierung als notwendig an.

Aktuell aktiv wird die Europäische Kommission mit einem EU-Programm gegen Gewalt und Intoleranz im Sport. Druch „Kick it out“ werden Zuschüsse für zwölf transnationale Projekte vergeben. Österreich ist bei der Initiative „Pro Supporters – Prävention durch Empowerment“ mit im Boot. Federführend zeichnet sich dabei das Wiener Institut für internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC).

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Der Bericht der Europäische Menschenrechtsagentur FRA in der iBibliothek

 

Informationen zum Bericht „Preventing racism, xenophobia and related intolerance in sport across the European Union“ gibt Barbara Liegl; barbara.liegl@univie.ac.at

 

Die Agentur FRA hat ihren Sitz in Wien, Schwarzenbergplatz 11, 1040 Wien; Tel: +43 1 580 30 – 0; media@fra.europa.eu

 

Georg Spitaler, Politologe an der Uni Wien, war einer der Kooperationspartner im FRA-Forschungsprojekt; georg.spitaler@univie.ac.at

 

Das Netzwerk FARE (Football Against Racism in Europe) unterstützte die Menschenrechtsagentur. Die Koordinationsstelle für Österreich ist die Initiative Fairplay des Wiener Instituts für internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC), die auch bei „Pro Supporters – Prävention durch Empowerment“ mitwirkt.

 

Details zu allen Kick-it-out-Projekten der EU

 

Kurt Wachter arbeitet bei Fairplay zum Thema Diskriminierung; Tel.: +43 1 713 35 94 90; wachter@vidc.org

 

Ein Projektepool von Fairplay und tipp3 unterstützt Projekte gegen Diskriminierung

 

ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit

 

Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte

   Sende Artikel als PDF   

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.