Lebenssituationen von ausländischen Studierenden

Factbox

    • Studierende aus Ex-Jugoslawien und aus der Türkei wohnen eher in Heimen
    • Studierende aus Westeuropa können eher berufsorientiert arbeiten als Osteuropäer
    • Über die Hälfte der Türken und Ex-Jugoslawen sind finanziell benachteiligt
    • Südtiroler kehren nach dem Abschluss am häufigsten in die Heimat zurück
    • Viele Studierende wollen nach Studium in Österreich bleiben

Wie leben ausländische Studierende in Österreich, mit welchen Schwierigkeiten haben sie zu kämpfen, wie viele von ihnen planen einen Verbleib in Österreich? Diese und ähnliche Aspekte hat die Studierenden-Sozialerhebung des Instituts für Höhere Studien (IHS) nächer durchleuchtet. Dafür wurden 40.000 in Österreich Studierende befragt. Interessant für die Erhebung waren dabei die sogenannten BildungsausländerInnen, die längerfristig hier studieren, nicht hier geboren sind und kein Doktoratsstudium betreiben – laut Bericht sind das 15 Prozent aller Studierenden.

Wo Bildungsausländer wohnen

Rund ein Drittel der BildungsausländerInnen lebt in Wohngemeinschaften, etwa 18 Prozent in Studierendenheimen (Einzelhaushalt 18,6 Prozent, Haushalt mit Partner 23,7 Prozent, Elternhaushalt 6,6 Prozent). Vor allem Studierende aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus der Türkei wohnen in Heimen, jene aus Südtirol und Deutschland eher in Wohngemeinschaften.

Arbeitserlaubnis oft Hindernis

BildungsausländerInnen aus der Türkei und aus Ex-Jugoslawien haben deutlich häufiger finanzielle Schwierigkeiten –  u.a. wegen einer fehlenden Arbeitserlaubnis: 38,8 Prozent (Türkei) bzw. 34,8 Prozent (Ex-Jugoslawien) gaben das an. Für Deutsche und Südtiroler besteht dieses Problem praktisch nicht (0,7 Prozent bzw. 0,0 Prozent), von Studierenden mit einer Studienberechtigung aus einem anderen westeuropäischen Land gaben dies 4,9 Prozent an. Auch für BildungsausländerInnen aus anderen osteuropäischen Ländern sowie außereuropäischen Staaten stellt die Arbeitserlaubnis im Vergleich zu Ex-Jugoslawen und Türken weniger häufig ein Hindernis dar (andere osteuropäische Länder: 19,5 Prozent, Länder außerhalb Europas: 24,2 Prozent).

 

Die BildungsausländerInnen aus der Türkei und der Region Ex-Jugoslawiens sind auch die Gruppen, die am häufigsten knapp bei Kasse sind: Jeweils über die Hälfte der Studierenden (ehemaliges Jugoslawien 51,7 Prozent, Türkei 51 Prozent) kommt (sehr) schlecht mit finanziellen Mitteln aus. Bei anderen osteuropäischen Ländern ist dieser Anteil mit 36,5 Prozent vergleichsweise auch noch hoch, bei Bildungsausländern aus westeuropäischen Staaten bewegt er sich zwischen 20 und 25 Prozent.

Die Antwort, (sehr) gut mit den finanziellen Mitteln auszukommen, gaben 56,3 Prozent der Südtiroler, 50,6 Prozent Bildungsausländer aus anderen westeuropäischen Staaten, 49,0 Prozent der Deutschen, 31,5 Prozent der Studierenden aus osteuropäischen Staaten und 27,6 Prozent aus Ländern außerhalb Europas sowie 18,6 Prozent der Türken und 18,4 Prozent der Ex-Jugoslawen an.

 

Arbeit vor allem bei Ex-Jugoslawen finanziell motiviert

Arbeiten ausländische Studierende, sind die Motive nach Herkunftsregion unterschiedlich: Die Erwerbstätigkeit von Studierenden aus Westeuropa (inkl. Deutschland und Südtirol) ist weniger stark von finanzieller Notwenigkeit motiviert als bei internationalen Studierenden aus anderen Regionen, oft geht es um die Berufsorientierung. BildungsausländerInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien sind am häufigsten erwerbstätig. Allerdings gehen sie am häufigsten „qualitativ niedrigeren“ Tätigkeiten nach (64 Prozent der erwerbstätigen Studierenden aus dieser Region).

Rückkehr oder Verbleib in Österreich?

Insgesamt planen 12,0 Prozent der BildungsausländerInnen, nach Studienabschluss ins Herkunftsland zurückzukehren, 31 Prozent wollen in Österreich bleiben. Studierende im Bachelor haben sich diesbezüglich aber großteils noch gar nicht entschieden.

Südtiroler kehren Österreich am häufigsten den Rücken Richtung Heimat (20 Prozent), etwa gleich viele wollen bleiben, die Hälfte von ihnen hat sich noch nicht entschieden. Von deutschen Studierenden planen 16 Prozent nach Deutschland zurückzugehen, rund ein Viertel möchte hier bleiben (48 sind noch ohne Plan).

Zwei Drittel der türkischen Studierenden haben sich schon entschieden: 44 Prozent wollen in Österreich bleiben, nur zehn Prozent gehen von einer Rückkehr in die Türkei aus. Bei den Studierenden aus Osteuropa (ohne Ex-Jugoslawien) planen noch mehr, in Österreich zu bleiben, nämlich 45 Prozent. Nur 2,4 Prozent möchten ins Heimatland zurückkehren. Jeweils 38 Prozent der Studierenden aus anderen westeuropäischen Ländern und dem ehemaligen Jugoslawien planen einen Verbleib in Österreich. Nur fünf Prozent der Ex-Jugoslawen rechneten beim Zeitpunkt der Befragung mit einer Rückkehr.

Weiterführende Kontakte und Informationen:

 

Die IHS-Erhebung in der iBibliothek

 

Siehe auch die Artikel „Warum ´Bildungsausländer´ in Österreich studieren“ und „Zahlen zu den Studierenden“

 

Das ÖH-Referat für Sozialpolitik ist Anlaufstelle für Fragen in Richtung Wohnen, Beihilfen, etc. Tel: +43 1 310 88 80 – 40 sozial@oeh.ac.at

 

Das Referat für ausländische Studierenden der ÖH beratet unter anderem Bildungsausländer Tel.:  +43 1  310 88 80 65  auslaenderInnenreferat@oeh.ac.at

 

Das Projekt Balkan Case Challenge sucht Studierende aus dem südosteuropäischen Raum und will die Staaten universitär und wirtschaftlich stärker vernetzen

 

Das Pfeilheim gehört zu den größeren Studierendenheime in Wien: Pfeilgasse 3a, Tel.: 01 401 76

 

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