Warum „Bildungsausländer“ in Österreich studieren

Factbox

    • 40.000 Studierende zu Hintergründen rund ums Studium befragt
    • „BildungsausländerInnen“ kommen wegen Ruf der Unis und geografischer Nähe
    • Die Mehrheit ist weiblich, zwischen 21 und 30 Jahre alt
    • Erhalt eines Stipendiums nur für 2,0 Prozent entscheidend
    • Für 73 Prozent der deutschen Studierenden liegen Gründe in der Heimat
    • Für 72 Prozent Ex-Jugoslawen zählt Qualität der Bildung

 

Welche internationalen Studierenden kommen nach Österreich und aus welchen Gründen? Antwort darauf gibt die Studierenden-Sozialerhebung des Institut für Höhere Studien (IHS), die 2009 zum letzten Mal durchgeführt wurde. Für die Erhebung wurden mehr als 40.000 Studierende an Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen befragt, darunter über 8.000 mit ausländischer Staatsbürgerschaft.

 

Fokussiert wurde dabei auf die Situation sogenannter BildungsausländerInnen: Dabei handelt es sich um Studierende, die ihre Studienberechtigung, unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft, nicht hierzulande erworben haben. „BildungsinländerInnen“ mit ausländischer Staatsbürgerschaft haben im Gegensatz dazu in Österreich maturiert oder eine Studienberechtigungsprüfung gemacht. Bildungsausländer kommen vorwiegend in die Alpenrepublik, um hier zu studieren. Von den im Rahmen der Sozialerhebung befragten Bildungsausländern waren 41 Prozent aus Deutschland, gefolgt von Studierenden aus osteuropäischen Ländern (19 Prozent) sowie Südtirolern und Ex-Jugoslawen (je 12 Prozent).

 

Guter Ruf der Unis

Die Motive für ein Studium hierzulande sind breit gefächert und variieren zwischen einem temporären Aufenthalt und dem Wunsch (länger) zu bleiben. Der meistgenannte Grund in Österreich zu inskribieren, ist der gute Ruf der Hochschulen (46 Prozent der Befragten gaben diesen Grund an), gefolgt vom Ziel Auslandserfahrung zu sammeln (40 Prozent) und der Tatsache, dass das Heimatland geografisch günstig liegt (37 Prozent). Ebenfalls 37 Prozent der befragten Bildungsausländer gaben an, dass bereits bestehende Deutschkenntnisse entscheidend waren.

 

19 Prozent entschieden sich für ein Studium in Österreich, weil sie Freunde oder Verwandte hier haben. Türkischen Studierenden gaben das am häufigsten an (26 Prozent). Kaum einen Einfluss auf die Entscheidung haben hingegen die Faktoren „Günstig wohnen“ (nur für 3,0 Prozent der Befragten) sowie der Erhalt eines Stipendiums für ein Studium in Österreich (2,0 Prozent).

 

Situation in der Heimat für Deutsche wichtig…

Schaut man sich die Gründe nach der Herkunftsregion der Befragten an, werden große Unterschiede deutlich. Und es tauchen altbekannte Themen wie der stark reglementierte Uni-Zugang in Deutschland auf: Bildungsausländer aus unserem nördlichen Nachbarstaat gaben besonders oft an, dass ihr Studium in Österreich etwas mit der Situation in der Heimat zu tun hat (73 Prozent der Befragten). Dabei wurde das Problem, in Deutschland keinen Studienplatz bekommen zu haben, besonders häufig genannt (35 Prozent). Am seltensten wird zumindest ein Grund, der in der Heimat liegt, von türkischen Studierenden (46 Prozent) und Studierenden aus Ländern außerhalb Europas genannt (43 Prozent).

 

… für Studierende aus Ex-Jugoslawien sind hiesige Unis interessant

Bei Bildungsausländern aus dem ehemaligen Jugoslawien ist die Situation in Österreich wichtiger als die in der Heimat: 91 Prozent der in der Erhebung Befragten aus dieser Region geben an, dass zumindest ein „österreichischer Faktor“ mit ihrem Studium zu tun hat. Für diese Gruppe besonders entscheidend: die bessere Qualität des Studiums in Österreich (72 Prozent) und der gute Ruf der Hochschule (64 Prozent).

 

Mehr Bildungsausländerinnen

Bildungsausländer sind wie bei den Bildungsinländern eher weiblich als männlich (56,7 Prozent Frauen zu 43,3 Prozent Männer), wobei der Frauenanteil noch etwas größer ist als bei den Studierenden, die hier maturiert haben. Unter den Studierenden aus Osteuropa sind dabei die Frauen besonders deutlich in der Überzahl (71 Prozent vs. 29 Prozent). Vor allem Personen aus der Altersgruppe zwischen 21 und 30 Jahren kommen nach Österreich, um sich an einer Hochschule zu inskribieren. Durchschnittlich sind diese Studierenden 25,9 Jahre alt (Bildungsinländer: 26,2 Prozent). Die Unter-21-und Über-30-Jährigen sind weniger oft vertreten als bei denen, die die Studienberechtigung hierzulande bekommen haben.

 

Eltern haben öfter selbst Uni-Abschluss

Bei Bildungsausländern kommt es deutlich öfter vor als bei den -inländern, dass die Eltern einen Hochschulabschluss haben, sowohl Väter als auch Mütter. Bei den Vätern geben dies 49 Prozent der Bildungsausländer und 24 Prozent der -inländer an, bei den Müttern ist das Verhältnis 39 Prozent zu 14 Prozent. Besonders bei Studierenden aus Ländern außerhalb Europas spielt dies scheinbar eine Rolle: Von ihnen geben 61 Prozent an, dass Väter einen Hochschulabschluss gemacht haben. Väter von Studierenden aus Südtirol haben am seltensten einen Hochschulabschluss.

 

Weiterführende Kontakte und Informationen:

 

Die Studierenden-Sozialerhebung in der iBibliothek

 

Siehe auch die Artikel „Lebenssituationen von ausländischen Studierenden“ und „Zahlen zu den Studierenden“

 

Das Referat für ausländische Studierenden der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) beratet unter anderem Bildungsausländer Tel.: +43 1  310 88 80 65  auslaenderInnenreferat@oeh.ac.at

 

Das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Uni Wien bietet ein Buddy-Projekt an, das Studierende mit Deutsch als Fremd- und Zweitsprache unterstützt. Projektkoordinator Stefan Ossmann ist am besten über Mail erreichbar: stefan.ossmann@univie.ac.at Tel. am Institut: +43 1 4277 493 39

 

Das Centre International Universitaire (CIU) ist eine Serviceeinrichtung für österreichische Studierende, die ins Ausland wollen, als auch für Ausländer, die hier studieren Tel.: +43 0 1 533 65 33 office@ciu.at

 

Das Erasmus Student Network steht österreichweit Austauschstudierenden mit Rat und Tat zur Seite

 

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