Österreich bekommt neues Zuwanderungssystem

Factbox

  • Drei neue Aufenthaltstitel: RWR-Karte, RWR-Karte plus, Blaue Karte-EU
  • Punktesystem ersetzt Quotenregelung
  • Qualifikationen wie Berufserfahrung, Alter oder Sprachkenntnisse bringen Vorteile
  • Hochqualifizierten soll Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert werden
  • Neue Möglichkeiten für ausländische Uni-Absolventen
  • Zugang zum Arbeitsmarkt für Familienangehörige

 

Österreich führt ab 1. Juli 2011 mit der Rot-Weiß-Rot-Karte (RWR-Karte) ein neues Zuwanderungssystem ein. Damit wird die Zuwanderung von Bürgern aus Nicht-EU-Ländern nicht mehr durch Quoten, sondern durch bestimmte Kriterien geregelt und gesteuert.

 

Die wichtigsten Kriterien sind: Qualifikation, Berufserfahrung, Alter, Sprachkenntnisse, ein adäquates Arbeitsplatzangebot und Mindestentlohnung. Insgesamt werden drei neue Aufenthaltstitel geschaffen: „Rot-Weiß-Rot-Karte“, „Rot-Weiß-Rot-Karte plus“ und „Blaue Karte-EU“.

 

Folgende Personen können eine RWR-Karte erhalten: Besonders Hochqualifizierte, Fachkräfte in Mangelberufen, Sonstige Schlüsselkräfte, StudienabsolventInnen. Die RWR-Karte plus können zudem Familienangehörige jener Personen erhalten, die eine RWR-Karte besitzen, jener von Inhabern einer Blauen Karte EU sowie Familienangehörige von bereits dauerhaft niedergelassenen Ausländern.

 

Besonders Hochqualifizierte

Personen mit besonders hohen Qualifikationen erhalten ein Aufenthaltsvisum für sechs Monate zur Arbeitssuche, wenn sie die erforderlichen Mindestpunktezahl nach einem festgelegten Kriterienkatalog erreichen. Detaillierte Informationen zur Punkteberechnung finden sich in der Informationsbroschüre „Kriteriengeleitete Zuwanderung nach Österreich“ des Arbeits- und Sozialministeriums. Wenn Hochqualifizierte bereits über ein Visum zur Arbeitssuche verfügen, erhalten sie ohne weitere Arbeitsmarktprüfung eine RWR–Karte für ein Jahr.

 

Hochqualifizierte mit einer RWR–Karte erhalten eine RWR–Karte plus mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang, wenn sie innerhalb der letzten zwölf Monate zumindest zehn Monate entsprechend ihrer Qualifikation beschäftigt waren. Die Prüfung obliegt dem Arbeitsmarktservice (AMS).

 

Fachkräfte in Mangelberufen

Fachkräfte erhalten ohne Arbeitsmarktprüfung eine RWR-Karte für zwölf Monate, wenn sie 1. eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem Mangelberuf nachweisen können und 2. die erforderlichen Mindestpunkte nach dem festgelegten Kriterienkatalog erreichen.

 

Die Mangelberufe werden vom Sozialministerium und vom Wirtschaftsministerium in einer Verordnung jährlich kundgemacht. Die erste Verordnung wird frühestens ab Mai 2012 gelten. Fachkräfte in Mangelberufen werden deshalb voraussichtlich erst ab 1. Mai 2012 zugelassen.

 

Sonstige Schlüsselkräfte

Schlüsselkräfte können eine RWR-Karte für ein Jahr erhalten, wenn sie die erforderlichen Mindestpunkte nach dem festgelegten Kriterienkatalog erreichen und ein bestimmtes monatliches Mindestbruttoentgelt erhalten: Für unter 30-Jährige gelten 50 Prozent der ASVG-Höchstbeitragsgrundlage (2011: 2.100 €), für über 30-Jährige: 60 Prozent der ASVG-Höchstbeitragsgrundlage (2011: 2.520 €; jeweils zuzüglich Sonderzahlungen).

 

Zudem ist Voraussetzung, dass das AMS keine gleich qualifizierten inländischen oder am Arbeitsmarkt bereits integrierte und beim AMS vorgemerkte ausländischen Arbeitskräfte vermitteln kann (Arbeitsmarktprüfung).

 

Studienabsolventen

Ausländische Uni-Absolventen können nach Abschluss ihres Studiums ein halbes Jahr in Österreich bleiben, um einen Arbeitsplatz zu suchen. Entspricht der Arbeitsplatz ihrem Qualifikationsniveau und ist ein monatliches Bruttoentgelt von mindestens 45 Prozent der ASVG-Höchstbeitragsgrundlage (für 2011: 1.890 €) sichergestellt, erhalten sie die RWR-Karte.

 

Eine RWR-Karte plus mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang bekommen ausländische Studienabsolventen, wenn sie innerhalb der letzten zwölf Monate zumindest zehn Monate ihrem Ausbildungsniveau entsprechend beschäftigt waren.

 

Blaue Karte-EU

Die Blaue Karte-EU vereinheitlicht und erleichtert die Einreise, den Aufenthalt und die Arbeitsmarktzulassung hochqualifizierter Drittstaatsangehöriger und deren Familienangehöriger innerhalb der EU. Voraussetzungen für den Erhalt einer Blauen Karte-EU: Abschluss eines Hochschulstudiums (mit dreijähriger Mindeststudiendauer), ein Jahresgehalt, das mindestens das 1,5-Fache des durchschnittlichen Bruttojahresgehalts von Vollbeschäftigten beträgt (rund 50.100 €) sowie eine Arbeitsmarktprüfung.

 

Die Blaue Karte EU wird für zwei Jahre ausgestellt. Inhaber einer Blauen Karte-EU erhalten eine RWR-Karte plus mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang, wenn sie innerhalb der letzten zwei Jahre zumindest 21 Monate ihrer Qualifikation entsprechend beschäftigt waren. Die Familienangehörigen von Inhabern einer Blauen Karte-EU erhalten eine quotenfreie RWR-Karte plus mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Infobroschüre „Kriteriengeleitete Zuwanderung nach Österreich“ des Arbeits- und Sozialministeriums abrufbar in der iBibliothek.

 

AMS Österreich; Beate Sprenger, Tel. (01) 331 78-522

 

Näheres zum Thema Aufenthaltstitel finden Sie auf der Homepage des Innenministeriums

 

Die Rot-Weiß-Rot-Karten werden ausgestellt, wenn auch alle sonstigen allgemeinen Voraussetzungen nach dem Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz erfüllt sind.

 

August Gächter, Projektleiter am Zentrum für soziale Innovation, Experte für Bereich Arbeitsmarkt und Migration

gachter@zsi.at; 01-495 04 42 / 74

 

 

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