Jugoslawien-Kriege: 115.000 flohen nach Österreich

 

Factbox

  • 90.000 Personen aus Bosnien-Herzegowina flüchteten nach Österreich
  • 60.000 Bosnier fanden hier ein neues Zuhause
  • Jeweils ca. 13.000 Menschen aus Kroatien und dem Kosovo flohen nach Österreich
  • Asyl-Anträge stiegen im Zuge der Konflikte stark an

 

Der kriegerische Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren hat Hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben. In drei größeren Flüchtlingswellen fanden im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts etwa 115.000 Personen aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo Zuflucht in Österreich. Mehr als 60.000 dieser Flüchtlinge fanden in Österreich eine neue Heimat.

 

Der Beginn des Zerfalls Jugoslawiens jährt sich am 25. Mai dieses Jahres zum 20. Mal. Nur einen Tag nachdem Kroatien und Slowenien 1991 die Unabhängigkeit vom damaligen Jugoslawien proklamierten, begannen die kriegerischen Auseinandersetzungen. In den Sommer-Monaten 1991 eskalierte der Krieg in Kroatien vollends. Zehntausende Menschen flohen aus ihren Heimen, die meisten fanden innerhalb des Gebietes Ex-Jugoslawiens Zuflucht.

 

13.000 Flüchtlinge aus Kroatien

Viele Schutzsuchende flüchteten aber auch in westeuropäische Staaten. Nach Österreich kamen nach Angaben des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) bis Jahresende 1991 etwa 13.000 Personen aus Kroatien. Der Großteil kehrte bereits im Frühjahr 1992 in die Heimat zurück.

 

Genau zu diesem Zeitpunkt entflammte der Bürgerkrieg in Bosnien-Herzgowina, der erst 1995 mit dem Dayton-Vertrag offiziell beendet wurde.

 

90.000 Flüchtlinge aus Bosnien

Aus Bosnien-Herzegowina wurden in Österreich etwa 90.000 Personen aufgenommen. In Westeuropa nahmen nur Deutschland (320.000) und Schweden (etwa 90.000) mehr Flüchtlinge aus Bosnien auf als Österreich. Dahinter folgten Italien (36.000), Dänemark (28.000) und die Schweiz (25.000).

 

Die damalige Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro) war das Land mit der höchsten Flüchtlingszahl Europas. Nach Schätzungen dürften Ende der 1990er Jahre etwa eine Million Flüchtlinge in Jugoslawien Zuflucht gefunden haben.

 

60.000 Bosnier blieben in Österreich

In Österreich wurden die aus Bosnien Geflüchteten großteils als „De-facto-Flüchtlinge“ betreut. Sie galten nicht als Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention. Das Innenministerium gewährte – in Absprache mit den Ländern – auf bestimmte Zeit ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht.

 

Die „De-facto-Aktion“ erreichte im Sommer 1993 mit 47.000 betreuten Flüchtlingen ihren Höchststand. Im Laufe der Zeit konnten immer mehr Bosnier eine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Die 1992 begonnene Bosnien-Sonderaktion wurde im August 1998 offiziell beendet. In diesen sechs Jahren gelang es etwa 60.000 Bosniern, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren und in Österreich eine neue Existenz aufzubauen.

 

Anstiege bei Asyl-Anträgen

Die letzte Flüchtlingswelle aus dem Raum Ex-Jugoslawiens ereignete sich während des Kosovo-Konfliktes 1998/99. Zwischen 11.000 und 13.000 Kosovo-Albaner flohen nach Österreich. Die Mehrheit kehrte in den Kosovo zurück oder zog in andere Staaten weiter.

 

Der Konflikt führte zu einem Anstieg bei Asyl-Anerkennungen. 1999 erhielten über 3.000 Flüchtlinge, davon mehr als 2.000 Kosovo-Albaner, einen positiven Asylbescheid. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor gab es insgesamt 500 positive Asylbescheide. Insgesamt wurde etwa 3.000 Kosovo-Albanern der Flüchtlingsstatus zuerkannt.

 

Auch der Krieg in Kroatien und Bosnien-Herzegowina hatte zu einem starken Anstieg bei Asyl-Anträgen geführt. 1991 gab es 27.306 Anträge, 2.469 wurden positiv erledigt. Ein Jahr später wurde 2.289 Personen (bei 16.238 Anträgen) politisches Asyl gewährt. In den Folgejahren gingen die Anträge stark zurück. 2010 reichten in Österreich insgesamt etwa 11.000 Menschen einen Asylantrag ein.

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Presseabteilung des UNHCR, Ruth Schöffl

Tel.: +43-1/26060 5307; Mobil: +43-699/1459 5307; schoeffl@unhcr.org

 

Vedran Dzihic, aus Ex-Jugoslawien stammender und in Wien lehrender Politikwissenschafter, ist ein ausgewiesener Balkan-Experte

vedran.dzihic@univie.ac.at

 

Zarko Radulovic, Leiter der Medien-Servicestelle, steht für weitere Anfragen sowie Vermittlung von Kontakten zur Verfügung

Tel.: +43-(0) 6991 509 70 80; zarko.radulovic@medienservicestelle.at

 

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