Asyl in Österreich – Aktuell und im Rückblick

Factbox

  • 3.739 Asylanträge in Österreich im ersten Quartal 2011 – ein Plus von 16 Prozent
  • Im Vorjahr reichten etwa 30 Prozent weniger um Asyl ein als 2009
  • Panikmache wegen „Flüchtlingsströmen“ durch Zahlen nicht untermauert
  • Anträge gingen in Industrienationen im Zehn-Jahres-Vergleich um 42 Prozent zurück
  • Österreich war schon in der Nachkriegszeit wichtiges Asylland

 

Klar mehr als im Vorjahr, aber trotz allem nicht außergewöhnlich hoch: So lässt sich die Zahl der Asylanträge im ersten Quartal 2011 zusammenfassen. In den ersten vier Monaten suchten 3.739 Personen in Österreich um Asyl an, um 518 Anträge oder 16 Prozent mehr als zur selben Zeit im vergangenen Jahr. Besonders deutlich zeigt sich der Anstieg im April: 2011 wurden 980 Asylanträge gezählt, im Jahr davor nur 757 (ein Plus von 29,5 Prozent).

 

War die Anzahl 2007 und 2008 ähnlich wie dieses Jahr, gab es im ersten Jahresdrittel 2009 um gut 1.200 Anträge mehr, als 4.977 Menschen um Asyl ansuchten. Die Entwicklung zeigt, dass eine „Panikmache“ wegen Flüchtlingsströmen durch Zahlen nicht untermauert ist. Bis jetzt hat sich die Situation in der von Unruhen erschütterten „arabischen Welt“ wenig auf Österreich ausgewirkt: Nur die  geflüchteten Syrer schaffen es mit 108 Anträgen (Jänner bis April 2010: 47) unter die zehn antragsstärksten Nationen. Die meisten Asylwerber kommen aus Afghanistan und Russland.

 

Sinkende Zahlen in Industrienationen

Das UNHCR-Flüchtlingskommissariat erkennt eine globale Asyl-Tendenz weg von den Industriestaaten: Laut einer jüngsten Erhebung warben 2010 in den 44 Industriestaaten 358.000 Personen um Asyl – fünf Prozent weniger als im Vorjahr. In Österreich verzeichnete man einen 30-prozentigen Rückgang. Vergleicht man die internationalen Zahlen mit denen aus dem Jahr 2000, gingen die Anträge in Industrienationen laut UNHCR gar um 42 Prozent zurück.

 

Dabei sind auch die Dimensionen interessant: Rund 11.000 Menschen reichten 2010 hierzulande einen Asylantrag ein, die Zahl von 2002 (39.354 Anträge) stellt den „Spitzenreiter“ in der vergangenen Dekade dar. Zur Veranschaulichung: In der asiatisch-pazifischen Region waren 2008 von UN-Flüchtlingshochkommissariat geschätzte 3,4 Millionen Flüchtlinge auf der Suche nach Schutz. Pakistan allein musste sich zu diesem Zeitpunkt um fast zwei Millionen Flüchtlinge kümmern. Was die Entscheidungen betrifft, sah das Jahr 2010 so aus: 1.066 Personen bekamen positive Bescheide, 3.767 negative.

 

Diese Beispiele unterstützen die Einschätzung des UNHCR, wonach sich die „globale Asyldynamik verändert“. „In der industrialisierten Welt werden generell viel weniger Asylanträge gestellt als vor zehn Jahren, nur in einigen wenigen Ländern ist im Jahresvergleich ein Anstieg zu verzeichnen“, kommentiert UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres.

 

Österreich: Schutz mit Tradition

Österreich hat als Asylland Tradition: Der Ethnologe Werner T. Bauer schrieb 2008 in seiner Bestandsaufnahme „Zuwanderung nach Österreich“: „Nach 1945 wurde Österreich zu einem der bedeutendsten Transitländer für Flüchtlinge, v.a. aus Osteuropa. Zwischen 1945 und 1990 gelangten rund 650.000 Menschen über Österreich in den Westen. Flüchtlingspolitik und der Anspruch, ein Asylland zu sein, wurden zu Grundprinzipien des österreichischen Selbstverständnisses erhoben…“.

 

Besonders einschneidend waren der Ungarische Volksaufstand und der „Prager Frühling“. 1956/57 suchten mehr als 180.000 ungarische Flüchtlinge über die Alpenrepublik den Weg in den Westen, ca. 20.000 von ihnen blieben hier. Nachdem in Prag sowjetische Panzer eingerollt waren, flohen 1968 etwa 162.000 Tschechen und Slowaken nach Österreich, 12.000 davon fanden bei uns ihr neues zu Hause.

 

Aus Polen kamen 1981/82 rund 120.000 Polen hierher, nachdem im Staat der aufkommenden Gewerkschaftsbewegung Solidarność das Kriegsrecht verhängt wurde. Auch sie nutzten Österreich großteils als Transitland.

 

In den 1990er-Jahren waren es die Konflikte in Ex-Jugoslawien, die Schutzsuchende in das benachbarte Österreich brachten. Rund 90.000 Personen bekamen bis 1995 ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht. Auch der Kosovo-Krieg (1998/99) ließ die Asylanträge stark steigen.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

Mag.a Ruth Schöffl ist die UNHCR-Sprecherin in Österreich: Tel: 01 26060 5307, Mobil: o699/1459 5307; schoeffl@unhcr.org

 

Die Asylkoordination ist eine Informationsdrehscheibe zum Thema Asyl:

Tel: 01 53 212 91; asylkoordination@asyl.at

 

Die Deserteurs- und Flüchtlingsberatung entstand im Zuge der Balkan-Konflikte und ist sehr gut vernetzt; Tel: 01 533 72 71; info@deserteursberatung.at

 

Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) und der Verein Gedenkdienst haben Experten zum Thema Österreicher als Flüchtlinge in ihren Reihen:

DÖW, Tel: 01 22 89 469/319 office@doew.at;

Verein Gedenkdienst, Tel: 01 5810490;

 

 

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